Zeitenfolge beim Congiuntivo: die concordanza dei tempi
Welcher Congiuntivo nach welchem Hauptsatz: die vier Kombinationen, die alles abdecken — und die Regel für gleichzeitig, vorher und danach.
≈ 16 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Die Zeitenfolge nach Gegenwart und Vergangenheit beherrschen
- Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit ausdrücken
- Die vier Congiuntivo-Formen richtig zuordnen
- Die Nachzeitigkeit mit dem Condizionale bilden
Wer den Congiuntivo bilden kann, steht vor der nächsten Frage: welchen? Die Antwort gibt die concordanza dei tempi — die Zeitenfolge. Sie hängt an zwei Dingen: der Zeit des Hauptsatzes und dem zeitlichen Verhältnis der beiden Handlungen.
Das System in vier Feldern
Hauptsatz in der Gegenwart (penso, credo, è possibile):
- gleichzeitig → Congiuntivo presente: Penso che venga. — Ich glaube, er kommt.
- vorher → Congiuntivo passato: Penso che sia venuto. — Ich glaube, er ist gekommen.
Hauptsatz in der Vergangenheit (pensavo, ho creduto, era possibile):
- gleichzeitig → Congiuntivo imperfetto: Pensavo che venisse. — Ich dachte, er käme.
- vorher → Congiuntivo trapassato: Pensavo che fosse venuto. — Ich dachte, er wäre gekommen.
Vier Kombinationen, mehr braucht es nicht. Alles Weitere sind Varianten davon.
Die Regel in einem Satz
Gegenwart zieht Gegenwart, Vergangenheit zieht Vergangenheit. Steht im Hauptsatz eine Vergangenheitsform, rutscht der Congiuntivo automatisch mit — auch wenn das Geschehen im Deutschen gegenwärtig klingt.
- Credo che abbia ragione. — Ich glaube, er hat recht.
- Credevo che avesse ragione. — Ich glaubte, er hätte recht.
Der zweite Satz meint dieselbe Gleichzeitigkeit — nur aus vergangener Perspektive. Credevo che abbia ragione ist der Fehler, den fast alle machen.
Der dritte Fall: Nachzeitigkeit
Wenn das Geschehen des Nebensatzes nach dem des Hauptsatzes liegt, hilft der Congiuntivo nicht weiter — dann kommt das Condizionale oder das Futur:
- Penso che verrà domani. — Ich glaube, er kommt morgen. (Futur)
- Penso che venga domani. — auch möglich, mit Congiuntivo presente
- Pensavo che sarebbe venuto. — Ich dachte, er würde kommen. (Condizionale passato)
Die letzte Form ist die wichtige: Nach einem Hauptsatz in der Vergangenheit steht für die Nachzeitigkeit immer das Condizionale passato, nie das presente.
- ✗ Pensavo che verrebbe.
- ✓ Pensavo che sarebbe venuto.
Die ganze Tabelle
Hauptsatz Gegenwart:
- gleichzeitig — Spero che stia bene.
- vorher — Spero che sia arrivato.
- danach — Spero che venga / verrà.
Hauptsatz Vergangenheit:
- gleichzeitig — Speravo che stesse bene.
- vorher — Speravo che fosse arrivato.
- danach — Speravo che sarebbe venuto.
Was den Hauptsatz zur Vergangenheit macht
Nicht nur das Imperfetto. Alle diese Formen ziehen den Congiuntivo in die Vergangenheit:
- Imperfetto — pensavo
- Passato prossimo — ho pensato
- Passato remoto — pensai
- Trapassato — avevo pensato
- Condizionale — vorrei, avrei voluto
Das Condizionale in der Liste überrascht: Vorrei che venisse — ich hätte gern, dass er käme. Obwohl vorrei gegenwärtig gemeint ist, verlangt es den Imperfetto.
Wenn das Subjekt dasselbe ist
Dann fällt der Nebensatz ganz weg und der Infinitiv übernimmt:
- Penso di venire. — Ich denke, ich komme. (nicht penso che io venga)
- Spero di aver capito. — Ich hoffe, ich habe verstanden.
- Credeva di essere in ritardo. — Er glaubte, er sei zu spät.
Das ist keine Feinheit, sondern Pflicht: Bei gleichem Subjekt ist die che-Konstruktion falsch. Und die Zeitenfolge übernimmt der Infinitiv — einfach für gleichzeitig, zusammengesetzt für vorher.
Was in der gesprochenen Sprache passiert
Der Congiuntivo imperfetto wird im Alltag häufig durch den Indikativ ersetzt:
- Pensavo che veniva. — statt che venisse
Das hört man oft und in allen Regionen. In geschriebenen Texten, Prüfungen und im Beruf gilt es als Fehler. Wie beim periodo ipotetico gilt: erst können, dann bewusst weglassen.
Kleine Probe
- Ich glaube, er kommt. · Ich dachte, er käme. · Ich glaube, er ist gekommen. · Ich dachte, er würde kommen.
Die Lösungen: Penso che venga. — Pensavo che venisse. — Penso che sia venuto. — Pensavo che sarebbe venuto.
Was du mitnehmen solltest
Gegenwart im Hauptsatz zieht presente oder passato, Vergangenheit zieht imperfetto oder trapassato. Für die Nachzeitigkeit aus der Vergangenheit steht das Condizionale passato. Und bei gleichem Subjekt fällt der ganze Nebensatz weg: penso di venire.
Häufige Fragen
Was ist die concordanza dei tempi?
Die Regel, welche Congiuntivo-Form im Nebensatz steht — abhängig davon, in welcher Zeit der Hauptsatz steht und ob das Geschehen gleichzeitig, vorher oder danach liegt.
Wie lautet die Grundregel?
Steht der Hauptsatz in der Gegenwart, folgen Congiuntivo presente (gleichzeitig) oder passato (vorher). Steht er in der Vergangenheit, folgen Congiuntivo imperfetto (gleichzeitig) oder trapassato (vorher).
Wie drückt man Nachzeitigkeit aus?
Nicht mit dem Congiuntivo, sondern mit dem Condizionale: penso che verrà oder penso che verrebbe für die Gegenwart, pensavo che sarebbe venuto für die Vergangenheit.
Was ist der häufigste Fehler?
Nach einem Hauptsatz in der Vergangenheit den Congiuntivo presente zu nehmen — pensavo che sia statt pensavo che fosse. Die Vergangenheit im Hauptsatz zieht den Congiuntivo zwingend mit.
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