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LektionC1Satzbau

Textverbindungen im Italienischen: tuttavia, pertanto, ossia und der Rest

Die Scharniere geschriebener Texte: welcher Konnektor in welches Register gehört und warum ma und però nicht überall passen.

14 Minuten Lesezeit

Danach kannst du

  • Konnektoren nach Register unterscheiden statt nach Bedeutung allein
  • Adversative, kausale und konklusive Verbindungen sicher wählen
  • Erläuternde Konnektoren wie ossia, cioè und vale a dire treffend einsetzen
  • Die Stellung im Satz und die Zeichensetzung beherrschen

Ein Text hält nicht durch seine Sätze zusammen, sondern durch das, was zwischen ihnen steht. Diese Scharniere heißen connettivi testuali. Auf C1 ist das Problem nicht mehr, sie zu verstehen — es ist, die richtige aus fünf bedeutungsgleichen auszuwählen. Denn Italienisch besitzt für jede logische Beziehung eine kleine Familie von Konnektoren, und deren Mitglieder unterscheiden sich fast nur im Register.

Der Gegensatz: ma, però, tuttavia, eppure

Ma ist die Grundform und steht immer am Anfang des zweiten Teils. Però ist umgangssprachlicher und hat eine Eigenheit, die es im Deutschen nicht gibt: Es kann nachgestellt werden, sogar ans Satzende.

  • Il film era lungo, però ne è valsa la pena.
  • Non me l’aspettavo, però. — Damit hatte ich allerdings nicht gerechnet.

Tuttavia und ciononostante gehören in geschriebene Texte. Sie können frei im Satz wandern, was ma nicht kann: La proposta è interessante; resta tuttavia il problema dei costi.

Eppure trägt Erstaunen mit: Gliel’avevo detto mille volte, eppure non ha capito. Und dabei hat er es trotzdem nicht verstanden. Anzi ist der Sonderfall — es korrigiert die eigene Aussage nach oben: Non mi dispiace, anzi mi fa piacere. Im Deutschen braucht es dafür „im Gegenteil, sogar”.

Grund und Folge

Auf der kausalen Seite steht perché im Gespräch, poiché und siccome im Text — mit einem Unterschied, den Grammatiken oft verschweigen: siccome steht fast immer vor dem Hauptsatz, perché fast immer danach.

  • Siccome nessuno rispondeva, ho lasciato un messaggio.
  • Ho lasciato un messaggio perché nessuno rispondeva.

In quanto und dato che gehören in Fachtexte; visto che ist gesprochen und leicht ungeduldig gefärbt.

Auf der konklusiven Seite ist die Staffelung deutlich: quindi und allora im Alltag, dunque für die Zusammenfassung eines Gedankens, pertanto, di conseguenza und ne consegue che in Berichten und Bescheiden.

  • La domanda è stata presentata oltre il termine; pertanto non può essere accolta.
  • Non aveva le chiavi, quindi ha aspettato in cortile.

Die Erläuterung: cioè, ossia, vale a dire

Diese Gruppe kündigt an, dass jetzt dasselbe noch einmal anders gesagt wird. Cioè ist die Alltagsform und im Gespräch zugleich ein Füllwort — man hört es dreimal pro Minute, oft ohne jede Funktion. Ossia und vale a dire sind schriftsprachlich und präzise, ovvero schwankt zwischen „das heißt” und „oder”.

  • Il contributo spetta ai residenti, ossia a chi ha la dimora abituale nel comune.
  • Arriva domani, cioè giovedì.

Verwandt ist infatti, und hier steckt eine echte Falle. Infatti bestätigt eine vorher gemachte Aussage durch einen Beleg — es leitet keinen Grund ein. Aveva detto che sarebbe arrivato tardi; infatti si è presentato alle nove. Wer es als „nämlich” im Sinne von „weil” benutzt, baut einen schiefen Satz.

Gliederung und Zugeständnis

Zum Ordnen längerer Texte dienen innanzitutto, in primo luogo, inoltre, peraltro, infine. Für das Zugeständnis gilt dieselbe Registerstaffel: anche se im Alltag, benché, sebbene und nonostante im Text — Letztere mit Congiuntivo, anche se mit Indikativ. Das ist der eine Punkt, an dem die Registerwahl auch die Verbform ändert.

  • Anche se piove, esco lo stesso.
  • Benché piovesse, la manifestazione si è svolta regolarmente.

Die Konnektoren des Gesprächs

Eine Gruppe fehlt in Grammatiken fast völlig, obwohl sie im gesprochenen Italienisch allgegenwärtig ist: die segnali discorsivi. Sie verbinden nicht Aussagen, sondern Sprecher und Gedanken.

  • insomma — fasst zusammen, oft leicht genervt: Insomma, alla fine non se n’è fatto niente.
  • comunque — kehrt zum Thema zurück, nachdem man abgeschweift ist: Comunque, dicevo …
  • appunto — bestätigt nachdrücklich, was der andere gerade gesagt hat.
  • tra l’altro — schiebt eine Nebenbemerkung ein, die sich als Hauptsache entpuppt.
  • figurati, macché — weisen zurück, das eine höflich, das andere schroff.

Diese Wörter sind der Grund, warum Muttersprachler flüssig klingen und Lernende auf C1 immer noch ein wenig schriftlich. Sie tragen kaum Bedeutung, aber sie zeigen dem Gegenüber, wo man im Gespräch gerade steht. Wer sie nicht benutzt, wirkt nicht falsch — nur seltsam sachlich.

Wie Italienisch anders gliedert als Deutsch

Ein struktureller Unterschied bleibt. Deutsche Texte setzen Konnektoren gern ins Mittelfeld: „Die Kosten sind allerdings gestiegen.” Italienisch bevorzugt die Anfangsstellung mit Komma oder — sehr typisch — den Strichpunkt. Der punto e virgola ist im Italienischen viel lebendiger als im Deutschen und trägt in Zeitungstexten oft genau die Last, die im Deutschen ein „jedoch” trägt. Wer italienische Absätze wie deutsche interpungiert, verschenkt dieses Mittel.

Kleine Probe

  • Der Antrag ging verspätet ein; er kann daher nicht berücksichtigt werden. · Es war teuer, hat sich aber gelohnt. · Er kommt am Donnerstag, das heißt übermorgen. · Obwohl es regnete, fand die Veranstaltung statt.

Die Lösungen: La domanda è pervenuta in ritardo; pertanto non può essere accolta.Era caro, però ne è valsa la pena.Arriva giovedì, ossia dopodomani.Benché piovesse, la manifestazione si è svolta.

Was du mitnehmen solltest

Konnektoren wählt man nicht nach der Bedeutung, sondern nach dem Register. Für jede logische Beziehung gibt es eine gesprochene und eine geschriebene Variante, und die Verwechslung fällt sofort auf. Merken Sie sich die Paare: ma und tuttavia, quindi und pertanto, cioè und ossia, anche se und benché. Und lassen Sie infatti nur dort stehen, wo eine Aussage bestätigt und nicht begründet wird.

Häufige Fragen

Was unterscheidet tuttavia von ma?

Die Bedeutung ist fast dieselbe, das Register nicht. <span lang="it">Ma</span> ist neutral bis umgangssprachlich und steht am Satzanfang oder zwischen zwei Teilsätzen; <span lang="it">tuttavia</span> gehört in geschriebene Texte und kann auch mitten im Satz stehen. In einer Mail an Freunde wirkt <span lang="it">tuttavia</span> steif.

Kann ich però an den Satzanfang stellen?

Ja, das ist heute üblich, war aber lange verpönt. Charakteristisch für <span lang="it">però</span> ist die Nachstellung: <span lang="it">Non è caro, è però difficile da trovare</span> — oder ganz am Ende, <span lang="it">non lo sapevo, però</span>. Diese Endstellung ist rein gesprochene Sprache.

Wann nehme ich pertanto, wann quindi?

Beide ziehen eine Schlussfolgerung. <span lang="it">Quindi</span> ist alltäglich und im Gespräch die Normalform, <span lang="it">pertanto</span> und <span lang="it">di conseguenza</span> gehören in Berichte, Gutachten und Bescheide. <span lang="it">Dunque</span> liegt dazwischen und markiert oft eine gedankliche Zusammenfassung.

Was ist der häufigste Fehler von Deutschsprachigen?

Konnektoren nach der Wörterbuchbedeutung zu wählen und das Register zu übersehen. Wer „allerdings" mit <span lang="it">tuttavia</span> in eine Chatnachricht setzt, klingt wie ein Verwaltungsakt. Der zweite Fehler ist die Stellung: <span lang="it">infatti</span> steht nie dort, wo das deutsche „nämlich" steht.

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