Zeichensetzung im Italienischen: wo sie vom Deutschen abweicht
Kein Komma vor che, dafür Anführungszeichen mit Spitzen und ein Gedankenstrich, der die halbe Arbeit macht.
≈ 13 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Die italienische Kommaregel als Betonungsregel statt als Grammatikregel begreifen
- Bestimmende und beschreibende Relativsätze unterscheiden
- Anführungszeichen, Gedankenstrich und Strichpunkt normgerecht setzen
- Groß- und Kleinschreibung sowie Datumsformen richtig behandeln
Zeichensetzung wird beim Sprachenlernen gern übergangen — bis der erste längere Text zurückkommt und voller Anmerkungen ist. Die italienische punteggiatura folgt einem anderen Grundgedanken als die deutsche: Sie bildet nicht die grammatische Struktur ab, sondern den Sprechrhythmus. Wer die deutsche Kommaregel mitbringt, setzt darum systematisch zu viele Kommata.
Das Komma ist keine Grammatikregel
Im Deutschen steht vor jedem Nebensatz ein Komma, unabhängig davon, wie er klingt. Im Italienischen nicht:
- Penso che sia troppo tardi.
- Ti chiamo quando arrivo.
- Non so se verrà.
Kein Komma, in keinem der drei Fälle. Gesetzt wird es dagegen, wenn der Nebensatz vorangeht und einen eigenen Sinnabschnitt bildet: Quando sono arrivato, non c’era nessuno. Und ebenso bei eingeschobenen Bemerkungen: Il progetto, come sai, è stato rinviato.
Der Relativsatz entscheidet sich am Sinn
Hier liegt der einzige Fall, in dem das Komma im Italienischen wirklich bedeutungstragend ist — und in dem das Deutsche keinen Unterschied macht.
- Gli studenti che avevano studiato hanno superato l’esame. — Nur die, die gelernt hatten.
- Gli studenti, che avevano studiato, hanno superato l’esame. — Alle; sie hatten übrigens gelernt.
Ohne Komma schränkt der Relativsatz ein, mit Komma erläutert er. Das Deutsche setzt in beiden Fällen ein Komma und überlässt den Unterschied dem Zusammenhang. Wer die deutsche Gewohnheit mitbringt, macht aus jeder Einschränkung eine Randbemerkung — und ändert damit still die Aussage.
Anführungszeichen
Drei Formen stehen zur Verfügung, und sie sind nicht austauschbar. Die spitzen caporali tragen die wörtliche Rede in Büchern und Zeitungen. Die geraden doppelten Zeichen dienen für Zitate im Zitat, für Titel von Aufsätzen und für Wörter, die man auf Distanz hält. Die einfachen Zeichen bleiben Fachtexten vorbehalten.
Die deutschen Zeichen — unten öffnend, oben schließend — gibt es im Italienischen nicht. Sie sind das verlässlichste Erkennungsmerkmal eines deutschsprachigen Verfassers.
Beim Dialog kommt eine zweite Eigenheit hinzu: Der Gedankenstrich eröffnet die Rede und wird am Ende nicht immer geschlossen. Der Redebegleitsatz steht dabei ohne Anführungszeichen dazwischen, abgetrennt durch weitere Striche.
Strichpunkt und Doppelpunkt
Der punto e virgola ist im Italienischen kein Fossil. Er verbindet zwei Hauptsätze, die enger zusammengehören, als ein Punkt zeigen würde: La proposta è interessante; restano però i costi. In Aufzählungen von Bescheiden und Verträgen trennt er die Punkte, die dann mit Kleinbuchstaben beginnen und mit einem Strichpunkt enden.
Der Doppelpunkt hat eine Aufgabe mehr als im Deutschen: Er ersetzt in Überschriften das Prädikat. Trasporti: aumenti dal primo gennaio. Wer italienische Schlagzeilen liest, muss diesen Doppelpunkt als Verb mitlesen.
Groß- und Kleinschreibung
Substantive werden kleingeschrieben — das ist bekannt. Weniger bekannt ist, wie weit die Kleinschreibung reicht:
- Wochentage und Monate: lunedì, marzo.
- Nationalitätsadjektive und -substantive: un italiano, la cucina francese.
- Titel und Berufe: il dottor Rossi, il presidente.
- Sprachen: parlo tedesco.
Großgeschrieben werden dagegen die Höflichkeitsformen in Briefen — La ringrazio, Le scrivo — sowie Institutionen als Ganzes: il Ministero, lo Stato.
Wo das Komma doch stehen muss
Damit aus der Zurückhaltung keine Beliebigkeit wird: Vier Stellen verlangen im Italienischen zwingend ein Komma.
- Vor ma, però, anzi, tuttavia: Volevo venire, ma non ho potuto.
- Um Einschübe herum, beidseitig: Il direttore, arrivato in ritardo, non ha detto nulla.
- Nach einem vorangestellten Nebensatz oder Gerundio: Finito il lavoro, sono tornati a casa.
- Bei der Anrede: Marco, puoi venire un attimo?
Umgekehrt gilt eine Regel ohne Ausnahme: Zwischen Subjekt und Prädikat steht nie ein Komma, egal wie lang das Subjekt ist. Das ist bei den langen Nominalgruppen der Amtssprache eine echte Versuchung — und trotzdem verboten.
Kleinigkeiten mit großer Wirkung
Das Datum steht ohne Punkt hinter der Zahl und mit kleinem Monatsnamen: 4 marzo 2024. Der erste Tag des Monats bekommt eine Sonderform: il primo marzo.
Bei Zahlen sind Punkt und Komma vertauscht wie im Deutschen — 1.500,50 —, in technischen und internationalen Texten sieht man aber zunehmend die englische Schreibung. Der Apostroph markiert die Elision und bekommt kein Leerzeichen: l’anno, un’ora. Ein Leerzeichen dort ist der zweithäufigste Tippfehler von Lernenden.
Und schließlich: Vor Satzzeichen steht im Italienischen kein Leerzeichen, anders als im Französischen. Bei Auslassungspunkten sind es genau drei, direkt an das Wort gesetzt.
Kleine Probe
- Ich glaube, dass es zu spät ist. · Ich rufe dich an, wenn ich ankomme. · Am Montag, dem 4. März, ist geschlossen. · Ich spreche Deutsch und Italienisch.
Die Lösungen: Penso che sia troppo tardi. — Ti chiamo quando arrivo. — Lunedì 4 marzo è chiuso. — Parlo tedesco e italiano.
Was du mitnehmen solltest
Italienische Zeichensetzung folgt dem Rhythmus, nicht der Satzgliederung: Vor che, quando und se steht normalerweise kein Komma. Beim Relativsatz trägt das Komma dagegen echte Bedeutung — ohne schränkt es ein, mit erläutert es. Dazu die kleinen Marker, an denen man einen deutschsprachigen Verfasser sofort erkennt: falsche Anführungszeichen, großgeschriebene Wochentage und ein Leerzeichen hinter dem Apostroph. Alle drei sind mit einer einzigen Durchsicht behoben.
Häufige Fragen
Steht im Italienischen ein Komma vor che?
In der Regel nicht. <span lang="it">Penso che sia troppo tardi</span> — ohne Komma. Anders als im Deutschen wird das Komma nicht durch die Satzgliederung erzwungen, sondern richtet sich nach Betonung und Lesefluss. Ein Komma vor <span lang="it">che</span> steht nur, wenn der Nebensatz eine Zusatzbemerkung ist.
Welche Anführungszeichen benutzt man?
Die Spitzen, <span lang="it">le virgolette caporali</span>, sind in Büchern und Zeitungen die Standardform für wörtliche Rede. Die geraden doppelten Zeichen dienen für Zitate innerhalb von Zitaten, für Titel und für hervorgehobene Wörter. Die deutschen Zeichen unten und oben gibt es nicht.
Warum sehe ich so viele Strichpunkte?
Weil der <span lang="it">punto e virgola</span> im Italienischen viel lebendiger ist als im Deutschen. Er trennt zwei eng verbundene Hauptsätze und ist typisch für Zeitungs- und Verwaltungstexte. Wo im Deutschen ein „jedoch" mit Komma stünde, steht im Italienischen oft ein Strichpunkt.
Was ist der häufigste Fehler von Deutschsprachigen?
Nebensätze mechanisch mit Komma abzutrennen. Das ist im Deutschen Pflicht und im Italienischen meist falsch. Der zweite Fehler betrifft die Großschreibung: Wochentage, Monate, Nationalitätsadjektive und Anredeformen werden im Italienischen kleingeschrieben.
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