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LektionC1Verben

Verbi fraseologici: stare per, andare a finire, venir fatto

Wie das Italienische mit Verbgefügen ausdrückt, wofür das Deutsche Adverbien braucht: gerade, schon, noch, am Ende, versehentlich.

14 Minuten Lesezeit

Danach kannst du

  • Die wichtigsten Verbgefüge nach ihrer Aspektbedeutung ordnen
  • stare per, stare a, andare a finire, finire per sicher einsetzen
  • Erkennen, welche Fügungen eine Präposition verlangen und welche nicht
  • Deutsche Adverbien durch italienische Verbgefüge ersetzen

Das Italienische besitzt eine Gruppe von Verben, die ihren eigenen Inhalt weitgehend abgegeben haben und nur noch als Träger für ein zweites Verb dienen. Stare heißt eigentlich „sich befinden” — in sto per uscire heißt es gar nichts mehr, es markiert nur, dass die Handlung unmittelbar bevorsteht. Solche Fügungen heißen verbi fraseologici, und sie leisten das, wofür das Deutsche zu Adverbien greift.

Kurz davor: stare per

Stare per plus Infinitiv bezeichnet die Handlung an der Schwelle:

  • Sto per uscire, ti richiamo dopo.
  • Il treno stava per partire quando è arrivata la telefonata.

Die Konstruktion gibt es nur im Presente und im Imperfetto — sono stato per uscire ist keine geläufige Form. Für Vergangenes verwendet man das Imperfetto, das dann eine nicht ausgeführte Handlung mitschwingen lässt: Der Zug stand kurz vor der Abfahrt, fuhr aber offenbar noch nicht.

Verwandt ist essere sul punto di, dieselbe Bedeutung in gehobenerem Register, und accingersi a, das man fast nur geschrieben findet.

Mitten drin: stare a und andare

Stare a plus Infinitiv beschreibt eine Handlung, die sich hinzieht, oft mit leichter Ungeduld:

  • Sono due ore che sto a aspettare.
  • Non stare a discutere con lui, tanto non cambia idea.

Die Verneinung non stare a ist eine eigene kleine Wendung: „Fang gar nicht erst an.” Sie ist rein umgangssprachlich und im Deutschen nur mit ganzen Sätzen wiederzugeben.

Andare mit Gerundio bezeichnet eine allmähliche Entwicklung: La situazione va migliorando. Die Lage bessert sich nach und nach. Venire mit Gerundio tut dasselbe mit Blick auf den Sprecher hin: i costi vengono aumentando. Beide Formen gehören in Zeitungs- und Fachtexte und wirken gesprochen gestelzt.

Am Ende: andare a finire, finire per

Diese Gruppe beschreibt den Ausgang einer Sache — mit dem Beiklang, dass er sich so ergeben hat und nicht geplant war.

  • È andata a finire che nessuno si è presentato. — Am Ende ist niemand gekommen.
  • Ha finito per accettare la proposta. — Schließlich hat er das Angebot doch angenommen.
  • Come va a finire questa storia? — Wie geht das aus?

Man beachte den Unterschied zu finire di, das schlicht das Beenden meint: ho finito di lavorare. Ein di statt per ändert die Aussage vollständig.

Ungewollt: venir fatto, riuscire, scappare

Hier wird es für Deutschsprachige interessant, denn diese Fügungen drücken etwas aus, wofür das Deutsche „versehentlich” oder „einfach so” sagen muss.

  • Mi è venuto da ridere. — Ich musste lachen, ohne es zu wollen.
  • Mi è scappato di dirglielo. — Es ist mir herausgerutscht.
  • Non mi riesce di spiegarlo bene. — Es gelingt mir nicht.
  • Mi viene fatto di pensare che … — Ich komme nicht umhin zu denken …

Allen gemeinsam ist die Bauform: Die Person steht im Dativ, das Verb in der dritten Person. Das Italienische stellt die Handlung damit als etwas dar, das der Person zustößt, nicht als etwas, das sie tut. Das Deutsche kennt diese Perspektive kaum — deshalb wirken die Sätze beim Übersetzen immer etwas umständlich.

Das Passiv mit andare und venire

Zwei Verben dieser Familie greifen tiefer ein: Sie ersetzen essere im Passiv und färben es dabei ein. Venire betont den Vorgang, essere das Ergebnis.

  • La porta viene chiusa alle otto. — Sie wird um acht geschlossen, jeden Tag aufs Neue.
  • La porta è chiusa. — Sie ist zu.

Andare im Passiv trägt dagegen eine Verpflichtung mit sich, die im Deutschen ein „muss” verlangt:

  • Il modulo va compilato in ogni sua parte. — Das Formular ist vollständig auszufüllen.
  • Queste cifre vanno verificate. — Diese Zahlen müssen geprüft werden.

Diese Konstruktion ist der Normalfall in Anleitungen, Verträgen und Bescheiden. Wer sie nicht kennt, liest va compilato als „geht ausgefüllt” und verliert die ganze Vorschrift. Nur im zusammengesetzten Tempus fällt die Pflichtbedeutung weg: è andato perduto heißt schlicht „ist verloren gegangen”.

Beginnen und wiederholen

Zum Abschluss die unauffälligste Gruppe, bei der die Präposition alles entscheidet: cominciare a, mettersi a, smettere di, continuare a, tornare a.

  • Si è messo a piovere. — Es fing an zu regnen, plötzlich.
  • È tornato a fumare dopo dieci anni. — Er hat wieder angefangen.
  • Smettila di lamentarti.

Mettersi a unterscheidet sich von cominciare a durch die Plötzlichkeit, tornare a ersetzt das deutsche „wieder” komplett. Wer ha ricominciato di nuovo a fumare sagt, doppelt ohne Not.

Kleine Probe

  • Ich gehe gerade aus dem Haus. · Am Ende hat er bezahlt. · Es ist mir herausgerutscht. · Nach zehn Jahren hat er wieder angefangen zu rauchen.

Die Lösungen: Sto per uscire.È andata a finire che ha pagato lui.Mi è scappato di dirlo.Dopo dieci anni è tornato a fumare.

Was du mitnehmen solltest

Verbgefüge sind der Ort, an dem das Italienische Feinheiten unterbringt, die das Deutsche in Adverbien versteckt. Stare per für das unmittelbar Bevorstehende, stare a für das Hingezogene, andare a finire für den Ausgang, venire und scappare mit Dativ für das Ungewollte, tornare a für die Wiederholung. Achten Sie auf die Präposition: finire di und finire per sagen Verschiedenes, und der Unterschied besteht aus zwei Buchstaben.

Häufige Fragen

Was sind verbi fraseologici?

Feste Verbindungen aus einem Hilfsverb und einem Infinitiv oder Gerundio, die zusammen eine zeitliche oder aspektuelle Bedeutung tragen. <span lang="it">Stare per partire</span> heißt nicht „für die Abfahrt stehen", sondern „im Begriff sein abzufahren". Das erste Verb verliert seinen eigenen Sinn und wird zum Marker.

Worin unterscheiden sich stare per und stare a?

<span lang="it">Stare per</span> bezeichnet die unmittelbar bevorstehende Handlung, <span lang="it">stare a</span> die andauernde. <span lang="it">Sto per uscire</span> — ich gehe gleich; <span lang="it">sta a guardare</span> — er schaut die ganze Zeit zu. <span lang="it">Stare</span> mit Gerundio, <span lang="it">sto uscendo</span>, meint dagegen die Handlung im Vollzug.

Was bedeutet andare a finire?

Es beschreibt, wie eine Sache am Ende ausgeht, meist mit einem Beiklang von Unvermeidlichkeit. <span lang="it">È andata a finire che ha pagato lui.</span> Am Ende hat er bezahlt. Die verwandte Form <span lang="it">finire per</span> plus Infinitiv sagt dasselbe mit persönlichem Subjekt: <span lang="it">ha finito per accettare</span>.

Was verpassen Deutschsprachige hier typischerweise?

Sie übersetzen die Bedeutung mit einem Adverb — „gerade", „schon", „am Ende", „versehentlich" — und bauen deshalb nie eines dieser Gefüge. Das ist nicht falsch, klingt aber blass. Italienisch trägt diese Feinheiten im Verb, nicht im Adverb.

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