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LektionB1Pronomen

Relativpronomen: che, cui und il quale im Italienischen

Che für fast alles, cui nach Präpositionen, il quale zur Klarstellung: wie man italienische Relativsätze baut und welchen Fehler Deutsche dabei machen.

10 Minuten Lesezeit

Danach kannst du

  • Relativsätze mit che als Subjekt und Objekt bilden
  • cui nach Präpositionen richtig einsetzen
  • Besitz mit il cui ausdrücken
  • Erkennen, wann il quale die Mehrdeutigkeit auflöst

Relativsätze verbinden zwei Aussagen zu einer. Im Italienischen brauchst du dafür weniger Formen als im Deutschen — es gibt kein „der, die, das, dem, den” —, dafür entscheidet eine einzige Frage über alles: Steht eine Präposition davor oder nicht?

che: die Form für fast alles

Che ist unveränderlich. Es gilt für männlich und weiblich, Einzahl und Mehrzahl, und es steht sowohl als Subjekt als auch als direktes Objekt:

  • Il libro che è sul tavolo. — Das Buch, das auf dem Tisch liegt. (Subjekt)
  • Il libro che leggo. — Das Buch, das ich lese. (Objekt)
  • La ragazza che canta. — Das Mädchen, das singt.
  • Le persone che ho visto. — Die Leute, die ich gesehen habe.

Das ist der Teil, der im Vergleich zum Deutschen leichter ist: eine Form für alles.

Der häufigste Fehler: che weglassen

Im Englischen kann man „the book I read” sagen. Im Italienischen nicht. Che ist Pflicht:

  • Richtig: Il film che ho visto ieri.
  • Falsch: „Il film ho visto ieri.”

Wer Englisch spricht, lässt es reflexhaft weg — und der Satz wird sofort unverständlich, weil das Italienische dann zwei Hauptsätze hintereinander hört.

cui: nach jeder Präposition

Sobald eine Präposition ins Spiel kommt, wird aus che ein cui. Auch dieses Wort ist unveränderlich:

  • La città in cui vivo. — Die Stadt, in der ich lebe.
  • L’amico con cui parlo. — Der Freund, mit dem ich spreche.
  • Il motivo per cui sono qui. — Der Grund, weshalb ich hier bin.
  • La persona a cui ho scritto. — Die Person, der ich geschrieben habe.
  • Il libro di cui parliamo. — Das Buch, über das wir sprechen.

Die Präposition steht dabei vor dem Relativpronomen, nie am Ende wie im Englischen. Ein „the city I live in” gibt es im Italienischen nicht.

Der Artikel verschmilzt hier übrigens nicht: Es heißt in cui, nicht „nel cui” — außer beim Besitz, dazu gleich.

Wenn a wegfallen darf

Bei a cui ist die Präposition freiwillig. Beides ist korrekt:

  • La persona a cui ho scritto.
  • La persona cui ho scritto.

Die zweite Form klingt etwas gehobener. Für den Anfang bleib bei a cui — sie ist eindeutiger.

il cui: dessen und deren

Für den Besitz steht cui zwischen Artikel und Nomen. Der entscheidende Punkt: Der Artikel richtet sich nach der besessenen Sache, nicht nach dem Besitzer — genau wie bei suo.

  • Il ragazzo il cui padre è medico. — Der Junge, dessen Vater Arzt ist.
  • La casa le cui finestre sono rotte. — Das Haus, dessen Fenster kaputt sind.
  • Uno scrittore i cui libri conosco. — Ein Schriftsteller, dessen Bücher ich kenne.

Im dritten Beispiel steht i, weil libri männlich Mehrzahl ist — obwohl der Schriftsteller Einzahl ist. Diese Konstruktion wirkt beim ersten Mal sperrig, folgt aber einer Regel, die du schon kennst.

il quale: wenn es sonst mehrdeutig wird

Il quale, la quale, i quali, le quali können che und cui ersetzen. Ihr Vorteil: Sie passen sich an und machen dadurch klar, worauf sich der Satz bezieht.

  • La sorella di Marco, la quale abita a Roma. — Marcos Schwester, die in Rom wohnt.
  • Mit che bliebe offen, ob die Schwester oder Marco in Rom wohnt.

Nach Präpositionen verschmilzt quale mit dem Artikel: nel quale, dal quale, sulla quale.

Im gesprochenen Italienisch hört man diese Formen selten — sie klingen förmlich. In Zeitungen, Verträgen und Sachtexten sind sie dagegen häufig. Für dich heißt das: erkennen ja, selbst benutzen nur bei echter Mehrdeutigkeit.

chi: wer, ohne Bezugswort

Chi ist kein gewöhnliches Relativpronomen — es steht ohne Bezugswort und meint „wer” oder „derjenige, der”. Es ist immer Einzahl männlich, auch wenn viele gemeint sind:

  • Chi dorme non piglia pesci. — Wer schläft, fängt keine Fische. (Sprichwort)
  • Chi arriva tardi paga. — Wer zu spät kommt, zahlt.
  • C’è chi dice di sì e chi dice di no. — Manche sagen ja, manche nein.

Verwechsle es nicht mit che: L’uomo che è arrivato braucht ein Bezugswort, Chi è arrivato nicht.

Wo der Relativsatz steht

Anders als im Deutschen bleibt der Relativsatz möglichst nah an seinem Bezugswort — er wird nicht ans Satzende geschoben:

  • Il libro che mi hai dato è bellissimo. — Das Buch, das du mir gegeben hast, ist wunderschön.

Und das Verb steht im Relativsatz an normaler Stelle, nicht am Ende wie im Deutschen. Für Lernende ist das eine Erleichterung: Die Wortstellung bleibt dieselbe wie im Hauptsatz.

Was du mitnehmen solltest

Eine Frage entscheidet fast alles: Steht eine Präposition davor? Nein → che. Ja → cui. Für Besitz kommt der Artikel dazu: il cui, la cui, i cui, le cui.

Il quale brauchst du zunächst nur zum Lesen. Und che darf nie wegfallen — das ist der eine Fehler, den man sich bewusst abgewöhnen muss.

Häufige Fragen

Wann benutzt man che und wann cui?

che steht ohne Präposition — als Subjekt oder direktes Objekt: il libro che leggo. cui steht immer nach einer Präposition: la città in cui vivo, l'amico con cui parlo. Beide sind unveränderlich und gelten für alle Geschlechter und Zahlen.

Wie sagt man „dessen" oder „deren" auf Italienisch?

Mit il cui plus Nomen, wobei der Artikel sich nach dem Besitz richtet, nicht nach dem Besitzer: il ragazzo il cui padre è medico — der Junge, dessen Vater Arzt ist. la casa le cui finestre sono rotte — das Haus, dessen Fenster kaputt sind.

Wozu braucht man il quale?

Es ersetzt che und cui und macht eindeutig, worauf sich der Relativsatz bezieht, weil es sich in Geschlecht und Zahl anpasst: la sorella di Marco, la quale abita a Roma. Es gehört eher in die Schriftsprache; im Gespräch überwiegen che und cui.

Darf man das Relativpronomen im Italienischen weglassen?

Nein, nie. Im Englischen kann man „the book I read" sagen, im Deutschen manchmal umformulieren — im Italienischen muss che stehen: il libro che leggo. Das Weglassen ist der häufigste Fehler von Lernenden mit Englischkenntnissen.

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