Passato prossimo: Bildung mit essere oder avere
Die wichtigste Vergangenheitsform des Italienischen: wie sie gebildet wird, wann essere und wann avere steht und warum sich das Partizip manchmal anpasst.
≈ 11 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Das Passato prossimo aus Hilfsverb und Partizip bilden
- Sicher entscheiden, ob essere oder avere steht
- Die häufigsten unregelmäßigen Partizipien kennen
- Die Angleichung des Partizips bei essere anwenden
Das Passato prossimo ist die Zeitform, mit der Italiener über die Vergangenheit reden — im Gespräch fast immer, auch wenn das Ereignis Jahre zurückliegt. Wer erzählen will, was gestern war, was im Urlaub passiert ist oder was man am Wochenende gemacht hat, braucht sie. Deshalb steht sie am Anfang von A2.
Zwei Teile, immer dieselben
Das Passato prossimo besteht aus zwei Bausteinen, genau wie das deutsche Perfekt:
Hilfsverb im Präsens + Partizip Perfekt
- Ho mangiato — Ich habe gegessen.
- Sono andato — Ich bin gegangen.
Das Hilfsverb ist entweder avere oder essere. Welches, hängt vom Verb ab — und genau das ist der Teil, den man lernen muss. Alles andere ist Mechanik.
Das Partizip: drei Endungen
Bei regelmäßigen Verben streichst du die Infinitivendung und hängst an:
- -are wird -ato: parlare → parlato
- -ere wird -uto: vendere → venduto
- -ire wird -ito: dormire → dormito
Eine Merkhilfe für die Reihenfolge: a-u-i — dieselbe Reihenfolge wie die Infinitivendungen are-ere-ire.
Die unregelmäßigen Partizipien
Rund dreißig Verben halten sich nicht daran — und es sind ausgerechnet die häufigsten. Diese lohnen sich sofort:
- fare → fatto (machen)
- dire → detto (sagen)
- prendere → preso (nehmen)
- mettere → messo (legen)
- leggere → letto (lesen)
- scrivere → scritto (schreiben)
- vedere → visto (sehen)
- aprire → aperto (öffnen)
- chiudere → chiuso (schließen)
- bere → bevuto (trinken)
- essere → stato (sein)
- avere → avuto (haben)
Ein Muster hilft beim Merken: Viele enden auf -tto (fatto, detto, letto, scritto) oder auf -so (preso, messo, chiuso). Wer das Muster kennt, rät bei unbekannten Verben oft richtig.
Die Kernfrage: essere oder avere?
Hier entscheidet sich, ob der Satz stimmt. Die Faustregel ist einfacher, als ihr Ruf vermuten lässt:
essere nehmen Verben der Bewegung und der Zustandsänderung — Verben, bei denen sich das Subjekt selbst verändert oder von A nach B kommt:
- andare (gehen), venire (kommen)
- arrivare (ankommen), partire (abfahren)
- entrare (hineingehen), uscire (hinausgehen)
- salire (hinaufgehen), scendere (hinuntergehen)
- tornare (zurückkehren), restare (bleiben)
- nascere (geboren werden), morire (sterben)
- diventare (werden), essere (sein), stare (sich befinden)
- piacere (gefallen), costare (kosten), succedere (geschehen)
- alle reflexiven Verben: mi sono alzato, ci siamo divertiti
avere nehmen alle anderen — vor allem alle Verben mit direktem Objekt: Ho letto un libro, Abbiamo comprato il pane, Hai visto Marco?
Eine praktische Probe: Kann man ein „was?” anschließen? Ich habe gelesen — was? Ein Buch. Dann avere. Bei Ich bin gegangen — was? ergibt das keinen Sinn. Dann essere.
Die Anpassung, die viele übersehen
Steht essere als Hilfsverb, verhält sich das Partizip wie ein Adjektiv: Es passt sich an Geschlecht und Zahl des Subjekts an.
- Marco è andato. — Marco ist gegangen.
- Anna è andata. — Anna ist gegangen.
- I ragazzi sono andati. — Die Jungen sind gegangen.
- Le ragazze sono andate. — Die Mädchen sind gegangen.
Bei avere passiert das nicht — das Partizip bleibt unverändert: Anna ha mangiato, nicht „ha mangiata”.
Das ist die Stelle, an der man Deutschsprachige sofort erkennt: Ein sono andato aus dem Mund einer Frau fällt jedem Italiener auf. Wer es einmal bewusst geübt hat, macht den Fehler nicht mehr.
Verben, die beides können
Einige Verben nehmen je nach Bedeutung das eine oder das andere Hilfsverb. Die Regel dahinter ist dieselbe wie oben: mit Objekt avere, ohne essere.
- Ho finito il lavoro. — Ich habe die Arbeit beendet.
Il film è finito. — Der Film ist zu Ende. - Ho cominciato il libro. — Ich habe das Buch angefangen.
La lezione è cominciata. — Der Unterricht hat begonnen. - Ho cambiato idea. — Ich habe meine Meinung geändert.
Il tempo è cambiato. — Das Wetter hat sich geändert.
Dieselbe Logik gilt für passare, salire und scendere: Ho salito le scale (ich bin die Treppe hochgestiegen, mit Objekt) gegen Sono salito (ich bin hochgestiegen).
Wo das Wörtchen dazwischen steht
Bei der Verneinung steht non vor dem Hilfsverb, nicht dazwischen: Non ho capito — ich habe nicht verstanden.
Häufigkeitsangaben wie sempre (immer), mai (nie), già (schon) und ancora (noch) stehen dagegen zwischen Hilfsverb und Partizip:
- Ho sempre voluto vedere Roma. — Ich wollte schon immer Rom sehen.
- Non sono mai stato in Sicilia. — Ich war noch nie in Sizilien.
- Hai già mangiato? — Hast du schon gegessen?
Wann man es benutzt — und wann nicht
Das Passato prossimo steht für abgeschlossene Handlungen: etwas ist passiert, dann war es vorbei. Ieri ho mangiato una pizza.
Für Zustände, Gewohnheiten und Beschreibungen nimmt man dagegen das Imperfetto: Da bambino mangiavo sempre la pizza — als Kind aß ich immer Pizza. Im Deutschen entsprechen beide dem Perfekt, weshalb man diese Unterscheidung nicht übersetzen, sondern neu denken muss.
Ein Hinweis zum Sprachgebrauch: In Norditalien ersetzt das Passato prossimo praktisch jede andere Vergangenheitsform. Im Süden hört man auch beim Erzählen häufiger das Passato remoto — eine Form, die im Norden nur noch in Büchern vorkommt. Für den Anfang reicht das Passato prossimo überall.
Häufige Fragen
Wann nimmt man essere und wann avere im Passato prossimo?
Faustregel: Wer sich bewegt oder seinen Zustand ändert, nimmt essere — andare, venire, arrivare, partire, nascere, morire, diventare. Alle reflexiven Verben nehmen ebenfalls essere. Alles andere nimmt avere, insbesondere alle Verben mit direktem Objekt.
Warum heißt es sono andata und nicht sono andato?
Weil sich das Partizip bei essere an das Subjekt anpasst — wie ein Adjektiv. Eine Frau sagt sono andata, ein Mann sono andato. Im Plural: siamo andati für gemischte oder männliche Gruppen, siamo andate für rein weibliche.
Wie bildet man das Partizip Perfekt im Italienischen?
Regelmäßig: -are wird -ato, -ere wird -uto, -ire wird -ito. Also parlato, venduto, dormito. Rund dreißig häufige Verben haben unregelmäßige Partizipien wie fatto, detto, preso, visto, aperto — die muss man lernen, weil es genau die häufigsten sind.
Was ist der Unterschied zwischen Passato prossimo und Imperfetto?
Das Passato prossimo beschreibt abgeschlossene Handlungen: Ieri ho mangiato una pizza. Das Imperfetto beschreibt Zustände, Gewohnheiten und Hintergrund: Da bambino mangiavo sempre la pizza. Im Deutschen entsprechen beide dem Perfekt, deshalb muss man diese Unterscheidung neu lernen.
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