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LektionA2Verben

Der Imperativ im Italienischen: bitten und auffordern

Wie man auf Italienisch auffordert, bittet und Wege erklärt — mit den unregelmäßigen Kurzformen, der Verneinung und den Pronomen, die hinten angehängt werden.

10 Minuten Lesezeit

Danach kannst du

  • Den Imperativ für tu, noi, voi und Lei bilden
  • Die verneinte Form richtig einsetzen
  • Die fünf unregelmäßigen Kurzformen kennen
  • Pronomen an den Imperativ anhängen

Der Imperativ hat einen schlechten Ruf — „Befehlsform” klingt nach Kommando. Tatsächlich ist er im Italienischen die alltäglichste Form überhaupt: Scusa!, Senti!, Guarda!, Dai!. Wer Wege erklärt, jemanden auf etwas hinweist oder um etwas bittet, benutzt ihn ständig.

Die du-Form: eine Endung dreht sich um

Hier passiert etwas Merkwürdiges: Die Endungen von -are und -ere tauschen im Vergleich zum Präsens die Plätze.

  • -are: Parla! (Sprich!) — im Präsens wäre es tu parli
  • -ere: Prendi! (Nimm!) — wie im Präsens
  • -ire: Dormi! (Schlaf!) — wie im Präsens

Nur die -are-Gruppe weicht ab. Wer Parli! sagt statt Parla!, hat versehentlich die Höflichkeitsform benutzt — was nicht falsch, aber förmlicher ist als gemeint.

Die -isc-Verben behalten ihren Einschub: Finisci! (Mach fertig!), Pulisci! (Putz!).

noi und voi: einfach das Präsens

Diese beiden Formen sind identisch mit dem Präsens — man muss nichts Neues lernen:

  • Parliamo! — Reden wir! / Lass uns reden!
  • Parlate! — Sprecht!
  • Andiamo! — Gehen wir!

Die noi-Form entspricht dem deutschen „lass uns…” und ist im Alltag sehr häufig: Mangiamo!, Vediamo!, Sentiamo!. Sie steckt übrigens auch im Namen dieser Seite.

Die Höflichkeitsform mit Lei

Wer jemanden siezt, benutzt eine Form aus dem Konjunktiv. Die Endungen drehen sich dabei wieder um:

  • -are: Parli! — Sprechen Sie!
  • -ere / -ire: Prenda!, Dorma!

Diese Form hört man in Geschäften und Ämtern ständig: Scusi! (Entschuldigen Sie), Senta! (Hören Sie), Mi dica! (Sagen Sie / Was darf es sein?), Prego, entri! (Bitte, treten Sie ein).

Der Unterschied zwischen Scusa und Scusi ist deshalb wichtiger, als er aussieht: Das erste ist Duzen, das zweite Siezen. Wer eine fremde ältere Person auf der Straße anspricht, sagt Scusi.

Die Verneinung: der Infinitiv als Befehl

Hier gibt es eine echte Besonderheit. Bei der du-Form wird der verneinte Imperativ mit non plus Infinitiv gebildet:

  • Non parlare! — Sprich nicht!
  • Non andare! — Geh nicht!
  • Non preoccuparti! — Mach dir keine Sorgen!

Das ist die einzige Stelle im Italienischen, an der ein Infinitiv als Aufforderung steht. Bei allen anderen Formen bleibt alles wie gehabt — man setzt nur non davor: Non parlate!, Non parli!, Non parliamo!

Die fünf Kurzformen

Fünf sehr häufige Verben verkürzen ihre du-Form auf eine Silbe:

  • andareva’ (geh!)
  • dareda’ (gib!)
  • diredi’ (sag!)
  • farefa’ (mach!)
  • staresta’ (bleib!)

Man findet auch die Schreibweisen vai, dai, fai, stai — beide sind korrekt. Der Apostroph zeigt an, dass etwas weggefallen ist.

Zwei weitere sind unregelmäßig und lohnen sich zu merken: esseresii! (sei!) und avereabbi! (hab!). Abbi pazienza! — Hab Geduld! ist eine der häufigsten Wendungen überhaupt.

Pronomen werden angehängt

Anders als im Deutschen hängt man Pronomen hinten an den Imperativ und schreibt sie zusammen:

  • Guardami! — Schau mich an!
  • Aspettalo! — Warte auf ihn!
  • Dimmelo! — Sag es mir!
  • Alzati! — Steh auf!

Trifft ein Pronomen auf eine der fünf Kurzformen, verdoppelt sich sein erster Buchstabe:

  • da’ + mi = dammi! (gib mir!)
  • di’ + mi = dimmi! (sag mir!)
  • fa’ + lo = fallo! (mach es!)
  • va’ + ci = vacci! (geh hin!)

Die einzige Ausnahme ist gli: Es verdoppelt nicht. Digli! heißt „Sag ihm!”.

Bei der Höflichkeitsform kehrt sich die Stellung um — das Pronomen steht vor dem Verb: Mi dica!, Si accomodi! (Nehmen Sie Platz!).

Wo man den Imperativ täglich hört

Beim Wegerklären ist er die Grundform: Vai sempre dritto, poi gira a destra e prendi la seconda strada. — Geh immer geradeaus, dann bieg rechts ab und nimm die zweite Straße.

Beim Bestellen und Bitten mildert man ihn mit per favore oder einem angehängten un attimo: Aspetta un attimo! — Warte kurz!

Und dann gibt es die Imperative, die gar keine Aufforderung mehr sind, sondern Gesprächspartikel: Senti… (Hör mal…), Guarda… (Schau…), Dai! (Komm schon! / Ach was!). Wer diese drei benutzt, klingt sofort weniger wie aus dem Lehrbuch.

Häufige Fragen

Wie bildet man den Imperativ im Italienischen?

Bei -are-Verben endet die du-Form auf -a: parla! Bei -ere und -ire auf -i: prendi!, dormi! Die noi- und voi-Formen sind identisch mit dem Präsens: parliamo!, parlate! Die Höflichkeitsform für Lei kommt aus dem Konjunktiv: parli!

Wie verneint man einen Imperativ auf Italienisch?

Bei der du-Form mit non plus Infinitiv: Non parlare! Das ist die einzige Stelle, an der ein Infinitiv als Befehl steht. Bei allen anderen Formen setzt man einfach non davor: Non parlate!

Was bedeuten dammi, dimmi und fammi?

Das sind Kurzformen mit angehängtem Pronomen. Fünf Verben verkürzen sich in der du-Form: da → da, di → di, fa → fa, va → va, sta → sta. Beim Anhängen eines Pronomens verdoppelt sich dessen Anfangskonsonant: dammi (gib mir), dimmi (sag mir), fammi (mach mir).

Wo steht das Pronomen beim Imperativ?

Bei tu, noi und voi wird es hinten angehängt und zusammengeschrieben: Guardami!, Diamoglielo! Bei der Höflichkeitsform Lei steht es davor: Mi guardi! Bei der Verneinung sind beide Stellungen erlaubt: Non guardarmi oder Non mi guardare.

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