Futuro semplice: die Zukunft im Italienischen bilden
Wie das italienische Futur gebildet wird, welche Verben den Stamm verkürzen und warum Italiener das Futur auch für Vermutungen benutzen.
≈ 9 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Das Futuro semplice regelmäßig bilden
- Die Verben mit verkürztem Stamm kennen
- Erkennen, wann Italiener Präsens statt Futur benutzen
- Das Futur für Vermutungen einsetzen
Das italienische Futur hat einen guten Ruf unter Lernenden: Es ist regelmäßig, die Endungen sind für alle drei Verbgruppen gleich, und die wenigen Unregelmäßigen folgen zwei klaren Mustern. Und es hat eine Überraschung parat — Italiener benutzen es öfter für Vermutungen als für die Zukunft.
Die Bildung: sechs Endungen für alle
Man nimmt den Infinitiv, streicht das Schluss-e und hängt an:
-ò, -ai, -à, -emo, -ete, -anno
- prendere → prenderò, prenderai, prenderà, prenderemo, prenderete, prenderanno
- dormire → dormirò, dormirai, dormirà, dormiremo, dormirete, dormiranno
Bei den -are-Verben gibt es einen kleinen Vokalwechsel: Das a des Stamms wird zu e. Aus parlare wird also parlerò, nicht „parlarò”:
- parlare → parlerò, parlerai, parlerà, parleremo, parlerete, parleranno
Die Betonung liegt in allen Formen auf der Endung. Bei -ò und -à steht deshalb ein Akzent — er ist Pflicht, weil er die Form von anderen Wörtern unterscheidet: parlerà (er wird sprechen) gegen parlerai.
Zwei Schreibregeln, die den Klang retten
Verben auf -care und -gare bekommen ein h, damit das k und g hart bleiben: cercare → cercherò, pagare → pagherò.
Verben auf -ciare und -giare verlieren dagegen das i, weil es nicht mehr gebraucht wird: cominciare → comincerò, mangiare → mangerò.
Beides sind dieselben Regeln wie beim Plural — Rechtschreibung, keine Grammatik.
Die Unregelmäßigen: zwei Muster
Rund fünfzehn Verben weichen ab, aber alle nach einem von zwei Mustern.
Muster 1: Ein Vokal fällt weg
- avere → avrò (nicht averò)
- andare → andrò
- potere → potrò
- dovere → dovrò
- sapere → saprò
- vedere → vedrò
- vivere → vivrò
Muster 2: Doppel-r
- venire → verrò
- volere → vorrò
- rimanere → rimarrò
- tenere → terrò
- bere → berrò
Dazu drei Einzelfälle: essere → sarò, fare → farò, dare → darò, stare → starò. Die letzten drei behalten ihr a — sie machen den Vokalwechsel der -are-Verben nicht mit.
Ein Hinweis, der später viel Arbeit spart: Der Futurstamm ist zugleich der Stamm des Condizionale. Wer andrò kann, kann auch andrei. Die unregelmäßigen Formen lernt man also einmal und benutzt sie zweimal.
Wann Italiener das Futur benutzen — und wann nicht
Hier liegt die Überraschung. Für nahe, geplante Zukunft nehmen Italiener meist das Präsens, genau wie im Deutschen:
- Domani vado a Roma. — Morgen fahre ich nach Rom.
- Stasera mangiamo fuori. — Heute Abend essen wir auswärts.
Das Futur ist für drei Fälle reserviert:
Ferne oder unsichere Zukunft: Un giorno andrò in Sicilia. — Eines Tages werde ich nach Sizilien fahren.
Versprechen und Vorsätze: Ti chiamerò domani. — Ich werde dich morgen anrufen. Hier klingt das Futur verbindlicher als das Präsens.
Nach Zeitangaben mit quando und se: Quando avrò tempo, ti scriverò. — Wenn ich Zeit habe, schreibe ich dir. Beachte: Im Deutschen steht hier Präsens, im Italienischen zweimal Futur.
Das Futur als Vermutung
Die zweite große Verwendung hat mit Zukunft nichts zu tun. Italiener drücken mit dem Futur aus, dass sie etwas vermuten, nicht wissen:
- Sarà Marco. — Das wird Marco sein. (Es klingelt, und man rät.)
- Che ore saranno? — Wie spät mag es wohl sein?
- Avrà trent’anni. — Er wird so um die dreißig sein.
- Dove sarà Anna? — Wo mag Anna wohl sein?
Im Deutschen gibt es diese Verwendung nur schwach — „Das wird wohl Marco sein” —, im Italienischen ist sie Alltag. Wer sie kennt, versteht plötzlich viele Sätze, die vorher seltsam nach Zukunft klangen.
Das Futuro anteriore: ein kurzer Ausblick
Es gibt noch ein zusammengesetztes Futur — avrò mangiato, ich werde gegessen haben. Es steht für etwas, das in der Zukunft schon abgeschlossen sein wird, und noch häufiger für Vermutungen über die Vergangenheit: Sarà andato a casa — er wird wohl nach Hause gegangen sein.
Gebildet wird es aus dem Futur von essere oder avere plus Partizip — die Hilfsverbregel ist dieselbe wie beim Passato prossimo. Für B1 reicht es, die Form zu erkennen; aktiv braucht man sie selten.
Was du mitnehmen solltest
Drei Dinge: Die Endungen -ò, -ai, -à, -emo, -ete, -anno. Die zwei Muster der Unregelmäßigen. Und die Erkenntnis, dass das italienische Futur mindestens so oft „vermutlich” bedeutet wie „später”.
Häufige Fragen
Wie bildet man das Futur im Italienischen?
Man streicht das Schluss-e des Infinitivs und hängt an: -ò, -ai, -à, -emo, -ete, -anno. Bei -are-Verben wird das a des Stamms zu e: parlare wird parlerò. Alle Formen tragen die Betonung auf der Endung, io und lui/lei mit sichtbarem Akzent.
Welche Verben sind im Futur unregelmäßig?
Zwei Gruppen. Verben, die einen Vokal verlieren: avere wird avrò, andare andrò, potere potrò, dovere dovrò, sapere saprò, vedere vedrò, vivere vivrò. Und Verben mit Doppel-r: venire wird verrò, volere vorrò, rimanere rimarrò, tenere terrò, bere berrò. Dazu essere mit sarò.
Warum sagen Italiener Domani vado statt Domani andrò?
Weil das Präsens für nahe, sichere Zukunft ausreicht — genau wie im Deutschen: Morgen gehe ich. Das Futur betont Absicht, Versprechen oder zeitliche Ferne. Für Alltagspläne nimmt man meist das Präsens.
Was bedeutet Sarà Marco?
Das wird Marco sein — eine Vermutung, keine Zukunft. Italiener benutzen das Futur häufig, um Unsicherheit über die Gegenwart auszudrücken: Che ore saranno? heißt Wie spät mag es sein? Diese Verwendung gibt es im Deutschen nur schwach.
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