Verben wie piacere: wenn die Sache das Subjekt ist
Mi piace il libro, mi piacciono i libri: Bei einer ganzen Gruppe von Verben dreht das Italienische den Satz um — und das Verb richtet sich nach der Sache, nicht nach der Person.
≈ 10 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Die Umkehrung bei piacere verstehen und anwenden
- Das Verb nach der Sache richten, nicht nach der Person
- Die verwandten Verben mancare, servire und bastare einsetzen
- Das Passato prossimo dieser Gruppe mit essere bilden
Mi piace la musica. Vier Wörter, und die Satzstellung ist genau umgekehrt zum Deutschen — jedenfalls scheinbar. Tatsächlich macht das Deutsche dasselbe, wenn man „gefallen” statt „mögen” benutzt: Mir gefällt die Musik. Wer das einmal sieht, hat eine ganze Verbgruppe verstanden.
Die Umkehrung
Bei piacere ist die gefallende Sache das Subjekt, die Person das indirekte Objekt:
- Mi piace il libro. — Mir gefällt das Buch.
- Ti piace questa città? — Gefällt dir diese Stadt?
- Le piace il vino rosso. — Ihr gefällt Rotwein.
Daraus folgt die entscheidende Regel: Das Verb richtet sich nach der Sache, nicht nach der Person.
- Mi piace il libro. — ein Buch
- Mi piacciono i libri. — mehrere Bücher
Die Person bleibt dabei unverändert. Ob mi, ti oder ci davorsteht, ändert am Verb nichts.
Die beiden Formen, die man braucht
Im Alltag kommt man mit zwei Formen aus:
- piace — vor einer Einzahl oder einem Infinitiv
- piacciono — vor einer Mehrzahl
Vor einem Infinitiv steht immer die Einzahl, auch bei mehreren Tätigkeiten:
- Mi piace leggere. — Ich lese gern.
- Mi piace nuotare e correre. — Einzahl, obwohl zwei Verben folgen.
Die Person betonen
Für Nachdruck steht die betonte Form mit a:
- A me piace, a lui no. — Mir gefällt es, ihm nicht.
- A Marco piace il calcio. — Marco mag Fußball.
- A chi piace? — Wem gefällt es?
Deshalb heißt die Antwort auf mi piace auch anche a me und nicht „anch’io” — die Person ist hier ein indirektes Objekt, kein Subjekt. Das ist einer der häufigsten Fehler in diesem ganzen Bereich.
Das Passato prossimo: immer essere
Ein ho piaciuto gibt es nicht. Diese Verben nehmen essere, und das Partizip richtet sich nach dem Subjekt:
- Mi è piaciuto il film. — Der Film hat mir gefallen.
- Mi è piaciuta la casa.
- Mi sono piaciuti i film.
- Mi sono piaciute le canzoni.
Bemerkenswert ist die dritte Zeile: mi sono mit Mehrzahl, obwohl nur eine Person spricht. Das sono gehört zu den Filmen, nicht zu mir.
Die ganze Gruppe
Piacere ist nicht allein. Diese Verben funktionieren genauso:
- mancare — fehlen: mi manca il tempo, mi mancano due euro
- servire — brauchen: mi serve una penna, mi servono due ore
- bastare — reichen: mi basta questo, bastano dieci minuti
- interessare — interessieren: mi interessa la storia
- sembrare — scheinen: mi sembra una buona idea
- dispiacere — leidtun: mi dispiace
- succedere — passieren: mi è successo ieri
- restare — übrig bleiben: mi restano cinque euro
Alle nehmen im Passato prossimo essere, und bei allen bestimmt die Sache das Verb.
mancare: die Umkehrung, die überrascht
Besonders auffällig ist mancare in der Bedeutung „vermissen”. Wörtlich heißt es „fehlen”, und das dreht den Satz komplett:
- Mi manchi. — Du fehlst mir. Also: Ich vermisse dich.
- Ti manco? — Fehle ich dir? Also: Vermisst du mich?
- Mi mancano i miei amici. — Ich vermisse meine Freunde.
Mi manchi ist einer der Sätze, die man am häufigsten falsch bildet: Wer „ich vermisse dich” wörtlich überträgt, sagt ti manco — und behauptet damit, dass er dem anderen fehlt.
servire: brauchen ohne bisogno
Neben avere bisogno di ist servire die alltäglichere Form:
- Mi serve aiuto. — Ich brauche Hilfe.
- Mi servono due biglietti. — Ich brauche zwei Karten.
- Ti serve qualcosa? — Brauchst du etwas?
Achte auf die Mehrzahl: mi servono, nicht „mi serve due biglietti”.
Wenn die Person auch handelt
Einige dieser Verben haben eine zweite, normale Verwendung. Dann verhalten sie sich wie gewöhnliche Verben:
- Il cameriere serve i clienti. — Der Kellner bedient die Gäste. (normales Verb)
- Mi serve un caffè. — Ich brauche einen Kaffee. (umgekehrt)
Ebenso piacere selbst: quella ragazza piace a tutti heißt, dass sie allen gefällt — hier ist eine Person das Subjekt, und das ist ein Kompliment.
Die Alternativen zu piacere
Wer die Umkehrung umgehen will, hat zwei Wege — beide sind gängiges Italienisch:
- amare — lieben, für starke Vorliebe: amo la musica classica
- adorare — sehr mögen: adoro il gelato
- preferire — vorziehen: preferisco il tè
Diese drei bauen normal, mit der Person als Subjekt. Sie sind aber stärker als piacere — wer amo la pizza sagt, meint es ernster als mit mi piace la pizza.
Für „mögen” im Sinne von Sympathie gibt es zusätzlich stare simpatico, das wieder umgekehrt baut: Marco mi sta simpatico, ich finde Marco nett. Und für Menschen, die man liebt, steht volere bene a: le voglio bene.
Die Steigerung
Wie stark etwas gefällt, drückt man mit Adverbien aus, die hinter dem Verb stehen:
- Mi piace molto. — Es gefällt mir sehr.
- Mi piace tantissimo. — Es gefällt mir außerordentlich.
- Mi piace abbastanza. — Es gefällt mir ganz gut.
- Mi piace di più. — Es gefällt mir besser.
Beachte, dass diese Wörter unverändert bleiben — sie beziehen sich auf das Verb, nicht auf die Sache. Mi piacciono molto, nie „mi piacciono molti”.
Die Verneinung
Non steht vor dem Pronomen, nicht vor dem Verb:
- Non mi piace. — Es gefällt mir nicht.
- Non mi è piaciuto per niente. — Es hat mir überhaupt nicht gefallen.
Für „nicht besonders” gibt es eine feste Wendung: non mi piace granché.
Kleine Probe
- Mir gefallen die Farben. · Ich brauche zwei Stunden. · Ich vermisse dich. · Der Film hat mir gefallen.
Die Lösungen: Mi piacciono i colori. (Mehrzahl!) — Mi servono due ore. (Mehrzahl!) — Mi manchi. (umgekehrt!) — Mi è piaciuto il film. (essere).
Was du mitnehmen solltest
Bei dieser Verbgruppe ist die Sache das Subjekt und bestimmt das Verb: mi piace il libro, mi piacciono i libri. Die Person steht im Dativ und ändert nichts. Im Passato prossimo gilt immer essere mit Angleichung. Und wer nur einen Satz mitnimmt: mi manchi heißt ich vermisse dich — nicht umgekehrt.
Häufige Fragen
Warum heißt es mi piace und nicht io piaccio?
Weil bei piacere die gefallende Sache das Subjekt ist, nicht die Person. Mi piace il libro heißt wörtlich mir gefällt das Buch. Die Person steht im Dativ, die Sache bestimmt das Verb.
Wann heißt es piacciono?
Wenn das Subjekt in der Mehrzahl steht: mi piacciono i libri, mir gefallen die Bücher. Das Verb richtet sich nach der Sache, nicht nach der Person — mi bleibt gleich, piace wird zu piacciono.
Welche Verben funktionieren noch so?
Mancare, servire, bastare, interessare, sembrare, dispiacere, restare und succedere. Alle drehen den Satz um: mi manca il tempo, mi servono due ore, mi basta questo.
Wie bildet man das Passato prossimo?
Mit essere, und das Partizip richtet sich nach dem Subjekt: mi è piaciuto il film, mi sono piaciuti i film, mi è piaciuta la casa. Ein ho piaciuto gibt es nicht.
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