Italienische Artikel: il, lo, la, l’ — alle Regeln erklärt
il, lo, la, l’, i, gli, le — sieben Artikel, aber nur zwei Fragen: Geschlecht und Anfangslaut. Mit allen Regeln, Ausnahmen und einer Merkhilfe.
≈ 8 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Die sieben bestimmten Artikel sicher unterscheiden
- Erkennen, wann lo statt il steht — und warum
- Den Plural i, gli und le richtig bilden
- Wissen, wo das Italienische einen Artikel setzt und das Deutsche nicht
Im Deutschen gibt es drei bestimmte Artikel: der, die, das. Im Italienischen sind es sieben. Das klingt nach dreimal so viel Arbeit, ist aber keine — denn welcher Artikel steht, entscheidet nicht der Zufall, sondern zwei Dinge: das Geschlecht des Nomens und der Anfangslaut des Wortes, das folgt. Wer diese beiden Fragen stellt, kommt jedes Mal zur richtigen Form.
Die sieben bestimmten Artikel auf einen Blick
Bevor wir in die Regeln gehen, hier die vollständige Übersicht. Vier Formen für den Singular, drei für den Plural:
- Männlich Singular: il, lo, l’
- Weiblich Singular: la, l’
- Männlich Plural: i, gli
- Weiblich Plural: le
il — der Normalfall
il steht vor männlichen Nomen, die mit einem einfachen Konsonanten beginnen. Das ist der mit Abstand häufigste Fall: il libro (das Buch), il tavolo (der Tisch), il ragazzo (der Junge), il treno (der Zug), il numero (die Nummer).
Wenn du ein männliches Wort siehst und es fängt mit b, c, d, f, g, l, m, n, p, q, r, t oder v an, ist il richtig. Punkt.
lo — der Sonderfall mit klarem Grund
lo steht vor männlichen Nomen, deren Anfang sich nach il schlecht sprechen ließe. Die Regel wirkt beim ersten Lesen wie eine Liste von Ausnahmen, hat aber einen einzigen Grund: Fluss. Sprich einmal laut il studente — die drei Konsonanten hintereinander stolpern. lo studente fließt.
lo steht vor:
- s + Konsonant: lo studente, lo specchio, lo sport, lo spagnolo
- z: lo zaino (der Rucksack), lo zucchero (der Zucker), lo zio (der Onkel)
- gn, pn, ps: lo gnomo, lo pneumatico, lo psicologo
- x, y und meist j: lo xilofono, lo yogurt
l’ — vor jedem Vokal
Beginnt das Nomen mit einem Vokal, verschmelzen lo und la zu l’. Das gilt für beide Geschlechter: l’amico (der Freund, männlich), l’amica (die Freundin, weiblich), l’orologio (die Uhr), l’ora (die Stunde).
Das ist praktisch, aber auch eine Falle: Am Artikel siehst du das Geschlecht nicht mehr. Bei l’insegnante (die Lehrkraft) musst du aus dem Zusammenhang schließen, ob ein Mann oder eine Frau gemeint ist.
la — die weibliche Form
Hier ist es einfach. la steht vor allen weiblichen Nomen, die mit einem Konsonanten beginnen — egal mit welchem: la casa (das Haus), la strada (die Straße), la stazione (der Bahnhof), la zia (die Tante).
Beachte den Unterschied: lo zio, aber la zia. Die lo-Regel gilt nur für männliche Nomen.
Der Plural: i, gli und le
Im Plural wird es sogar einfacher, weil eine Form wegfällt:
- il → i: il libro wird zu i libri
- lo und männliches l’ → gli: lo studente wird zu gli studenti, l’amico zu gli amici
- la und weibliches l’ → le: la casa wird zu le case, l’amica zu le amiche
gli wird übrigens wie ein weiches „lji“ gesprochen — die Zunge liegt am Gaumen, das g ist nicht zu hören.
Wo der Artikel steht, obwohl im Deutschen keiner steht
Das Italienische setzt den Artikel deutlich großzügiger als das Deutsche. Drei Stellen, an denen Deutschsprachige ihn regelmäßig vergessen:
- Vor Ländern und Regionen: l’Italia è bella — Italien ist schön.
- Vor Possessivbegleitern: la mia casa — mein Haus, wörtlich „das mein Haus“.
- Vor abstrakten Begriffen: la libertà è importante — Freiheit ist wichtig.
Eine Ausnahme lohnt sich zu merken: Bei Familienmitgliedern im Singular fällt der Artikel vor dem Possessivbegleiter weg. Es heißt mia madre (meine Mutter), nicht la mia madre. Im Plural steht er wieder: le mie sorelle (meine Schwestern).
Der Trick, der dir das Nachdenken erspart
Lerne jedes neue Nomen von Anfang an mit seinem Artikel. Nicht casa, sondern la casa. Nicht zaino, sondern lo zaino. Wer das konsequent macht, geht die Regel nie im Kopf durch — der Artikel gehört dann zum Wort wie eine Silbe.
Genau deshalb steht in jeder Vokabelsammlung auf Andiamoo der Artikel mit in der Liste, und der Vokabeltrainer fragt ihn mit ab. Das kostet dich am Anfang zwei Sekunden pro Wort und spart dir später hunderte Überlegungen.
Der unbestimmte Artikel: un, uno, una, un’
Was für ein im Deutschen gilt, folgt im Italienischen derselben Logik wie beim bestimmten Artikel — nur mit vier statt sieben Formen:
- un vor männlichen Nomen mit Konsonant und mit Vokal: un libro, un amico
- uno vor männlichen Nomen mit s+Konsonant, z, gn, ps: uno studente, uno zaino
- una vor weiblichen Nomen mit Konsonant: una casa
- un’ vor weiblichen Nomen mit Vokal: un’amica
Achte auf die Apostrophe: un amico ohne, un’amica mit. Der Apostroph markiert hier das Geschlecht — er steht nur beim weiblichen. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen ein einzelnes Satzzeichen die Bedeutung trägt.
Einen Plural hat der unbestimmte Artikel nicht. Wo das Deutsche „einige“ sagt, benutzt das Italienische den Teilungsartikel: dei libri (einige Bücher), delle case (einige Häuser). Er entsteht aus di plus bestimmtem Artikel — mehr dazu in der Lektion zu den Präpositionen.
Häufige Fragen
Warum heißt es lo studente und nicht il studente?
Weil studente mit s plus Konsonant beginnt. Diese Lautfolge lässt sich nach il schlecht sprechen — lo studente fließt besser. Dieselbe Regel gilt vor z, gn, pn, ps, x und y.
Wie erkenne ich, ob ein italienisches Nomen männlich oder weiblich ist?
Als Faustregel: Wörter auf -o sind meist männlich, Wörter auf -a meist weiblich. Endungen auf -e können beides sein — hier hilft nur, das Wort gleich mit Artikel zu lernen. Ausnahmen wie la mano (die Hand) oder il problema (das Problem) muss man sich merken.
Muss ich im Italienischen immer einen Artikel setzen?
Deutlich öfter als im Deutschen. Vor Ländern (l’Italia), vor Possessivbegleitern (la mia casa) und vor abstrakten Begriffen (la libertà) steht ein Artikel. Eine wichtige Ausnahme: Bei Familienmitgliedern im Singular fällt er weg — mia madre, nicht la mia madre.
Was ist der Unterschied zwischen l’ und lo?
l’ ist die verkürzte Form vor Vokalen und gilt für beide Geschlechter. lo steht vor männlichen Nomen mit s+Konsonant, z, gn, pn, ps, x oder y. Im Plural wird aus beiden gli, wenn das Nomen männlich ist.
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