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Apostroph und Elision: wann l und un mit Apostroph stehen

L'amico, un'amica, un amico ohne: Der Apostroph zeigt einen weggefallenen Vokal an — und bei un entscheidet er über das Geschlecht.

9 Minuten Lesezeit

Danach kannst du

  • Die Elision vor Vokal bei Artikeln anwenden
  • Un und un mit Apostroph sicher unterscheiden
  • Erkennen, wo der Apostroph freiwillig ist
  • Apostroph von Akzent auseinanderhalten

Ein Apostroph im Italienischen ist kein Zierzeichen, sondern eine Auslassungsmarke: Er zeigt an, dass ein Vokal weggefallen ist. Das klingt nach einer Kleinigkeit, entscheidet aber in einem Fall über das Geschlecht — und genau dort machen Lernende den Fehler.

Was Elision bedeutet

Trifft ein Wort, das auf einen Vokal endet, auf ein Wort, das mit einem Vokal beginnt, fällt der erste weg. Der Apostroph markiert die Stelle:

  • lo amico → l’amico
  • la ora → l’ora
  • una amica → un’amica
  • di Italia → d’Italia

Der Zweck ist die Aussprache: Zwei Vokale hintereinander sind mühsam. Italienisch vermeidet sie, wo es geht.

Bei den Artikeln: fast immer

Vor einem Vokal werden lo und la zu l’:

  • l’amico · l’albergo · l’ufficio (männlich)
  • l’amica · l’ora · l’acqua (weiblich)

Damit sieht man dem Artikel das Geschlecht nicht mehr an. Ob l’amico männlich ist, verrät erst der Plural gli amici oder ein Adjektiv: l’amica simpatica.

Im Plural wird dagegen nie elidiert:

  • gli amici, nicht „gl’amici”
  • le amiche, nicht „l’amiche”
  • i orologi gibt es nicht — dort steht ohnehin gli orologi

Der Fall, auf den es ankommt: un oder un’

Hier entscheidet der Apostroph über das Geschlecht:

  • un amico — ein Freund, ohne Apostroph
  • un’amica — eine Freundin, mit Apostroph

Der Grund: Der männliche Artikel lautet un und endet auf einem Konsonanten — es fällt nichts weg, also kein Apostroph. Der weibliche lautet una und verliert sein a — also Apostroph.

Weitere Beispiele:

  • un uomo · un anno · un ospedale — männlich, ohne
  • un’ora · un’idea · un’altra volta — weiblich, mit

Das ist der einzige Fall im Italienischen, in dem ein Apostroph Bedeutung trägt. Wer un’amico schreibt, macht daraus grammatisch eine Frau.

Bei den Präpositionen

Die verschmolzenen Formen elidieren ebenfalls:

  • dell’amico · all’ora · dall’Italia · nell’ufficio · sull’acqua

Auch das bloße di verkürzt sich häufig: d’accordo, d’estate, d’oro. Bei a ist es dagegen unüblich — a Ancona bleibt, gelegentlich mit eingeschobenem d: ad Ancona.

Dieses ad statt a und ed statt e ist keine Elision, sondern das Gegenteil: ein eingefügter Konsonant, damit die Vokale nicht aufeinanderprallen. Verpflichtend ist es nur vor demselben Vokal — ed ecco, ad Ancona.

Bei bello, quello und santo

Diese drei folgen dem Artikelmuster und elidieren mit:

  • un bell’uomo · quell’amico · Sant’Anna

Im Plural wieder nicht: quegli amici, begli occhi.

Wo der Apostroph freiwillig ist

Bei einigen Wörtern ist beides erlaubt, und die volle Form gilt inzwischen als üblicher:

  • questo amico oder quest’amico
  • grande uomo oder grand’uomo
  • senza altro oder senz’altro

Senz’altro hat sich als feste Wendung gehalten und heißt „auf jeden Fall”.

Bei Pronomen ist die Elision vor ho, hai, ha üblich: l’ho visto, m’ha detto — wobei die zweite Form umgangssprachlich klingt.

Der Artikel vor Fremdwörtern

Fremdwörter mit vokalischem Anfang werden behandelt wie italienische:

  • l’hotel — das h ist stumm, also elidiert man
  • l’iPhone · l’email · l’app

Beginnt das Wort mit einem gesprochenen w oder y, bleibt der volle Artikel: il weekend, lo yogurt, lo yoga. Und bei s plus Konsonant gilt ohnehin lo: lo smartphone, lo staff.

Beim stummen h ist die Regel eindeutig: Es zählt nicht als Konsonant. Deshalb l’hotel und un’ora, aber auch gli hotel im Plural.

Die Sonderfälle bei den Pronomen

Bei den Objektpronomen elidieren nur lo und la zuverlässig:

  • L’ho visto. — ihn oder sie, das Partizip verrät es
  • Li ho visti. — nie elidiert
  • Le ho viste. — nie elidiert

Das ist praktisch wichtig: Weil li und le ihren Vokal behalten, sieht man ihnen Zahl und Geschlecht weiterhin an. Nur in der Einzahl geht diese Information verloren — und wird vom Partizip aufgefangen.

Apostroph ist nicht Akzent

Zwei Zeichen, die verwechselt werden:

  • Apostroph zeigt einen Wegfall an: un po’, l’amico, da’, di’, fa’
  • Akzent zeigt die Betonung an: città, perché, è

Der häufigste Fehler überhaupt ist un po’: Es kommt von un poco, es fällt also etwas weg — Apostroph. Ein geschriebenes „un pò” ist falsch, und man sieht es trotzdem ständig, auch auf italienischen Speisekarten.

Dieselbe Logik bei den kurzen Imperativformen: da’ von dai, di’ von dici, fa’ von fai. Alle mit Apostroph, weil etwas weggefallen ist.

Wenn der Vokal stehen bleibt

Drei Fälle:

  • Vor betontem Vokal: la unica wird zu l’unica — hier geht es doch, aber bei lo iato bleibt es.
  • Vor halbvokalischem i: lo iodio, lo yogurt — das i klingt wie ein j.
  • Im Plural: nie, wie oben gezeigt.

Kleine Probe

  • ein Freund · eine Freundin · ein Jahr · eine Stunde · ein bisschen

Die Lösungen: un amico (männlich, ohne). un’amica (weiblich, mit). un anno (männlich). un’ora (weiblich). un po’ (Apostroph, kein Akzent).

Was du mitnehmen solltest

Der Apostroph markiert einen weggefallenen Vokal. Bei lo und la ist er vor Vokal Pflicht, im Plural verboten. Und der eine Fall, der zählt: un amico ohne, un’amica mit — dort trägt das Zeichen das Geschlecht. Alles Weitere ist Aussprachehilfe, kein Bedeutungsträger.

Häufige Fragen

Warum heißt es un amico ohne Apostroph, aber un'amica mit?

Weil der männliche Artikel un ohnehin auf einem Konsonanten endet und nichts wegfällt. Die weibliche Form una verliert dagegen ihr a und bekommt deshalb einen Apostroph: un'amica. Der Apostroph zeigt hier also das Geschlecht an.

Was ist Elision?

Der Wegfall eines Endvokals vor einem folgenden Vokal, angezeigt durch einen Apostroph. Aus lo amico wird l'amico, aus la ora wird l'ora. Sie erleichtert die Aussprache und ist bei Artikeln fast immer verpflichtend.

Steht bei po ein Apostroph oder ein Akzent?

Ein Apostroph. Un po ist die verkürzte Form von un poco, deshalb un po mit Apostroph. Ein geschriebenes pò mit Akzent gilt als Fehler und gehört zu den häufigsten überhaupt.

Wann bleibt der Vokal stehen?

Bei den Pluralartikeln i, gli und le, wo nie elidiert wird: gli amici, le amiche. Und vor einem betonten Vokal oder einem halbvokalischen i wie in lo iodio.

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