andare oder venire: Bewegung aus italienischer Sicht
Warum man auf eine Einladung mit vengo antwortet und nicht mit vado — und wie die Präpositionen danach folgen.
≈ 12 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Die Perspektive hinter andare und venire verstehen
- Auf Einladungen richtig mit vengo antworten
- Die Präpositionen a, in und da korrekt anschließen
- portare und andare a prendere unterscheiden
Andare heißt gehen, venire heißt kommen. Damit ist die Sache scheinbar erledigt. Sie ist es nicht: Die beiden Verben teilen den Raum anders auf, als das Deutsche es tut, und wer die Grenze nicht kennt, klingt in ganz alltäglichen Situationen unbeabsichtigt schroff.
Die Regel: Wo steht der Zuhörer?
Der Unterschied hängt nicht daran, wohin man sich bewegt, sondern daran, wo der Gesprächspartner dabei ist.
- venire — Bewegung zu dem Ort, an dem der Zuhörer ist oder sein wird.
- andare — Bewegung zu einem dritten Ort, an dem weder Sprecher noch Zuhörer sind.
Ein Beispiel aus dem Alltag. Deine Kollegin sagt: Sabato faccio una festa, vieni? Die richtige Antwort ist Sì, vengo volentieri. Denn du bewegst dich dorthin, wo sie sein wird.
- ✗ Sì, vado alla tua festa.
- ✓ Sì, vengo alla tua festa.
Falsch verstanden wird das nicht, aber es klingt, als hättest du den Gastgeber gedanklich aus der Sache herausgenommen. Ungefähr so, wie wenn man im Deutschen auf Kommst du? mit Ja, ich gehe dahin antwortet.
Wann andare richtig ist
Sobald der Zielort mit deinem Gesprächspartner nichts zu tun hat, steht andare:
- Domani vado dal dentista. — Morgen gehe ich zum Zahnarzt.
- Andiamo al mare questo weekend.
- Vado a fare la spesa, torno tra un’ora.
- Mia figlia va a scuola in bici.
Und ebenso, wenn du dich vom Zuhörer weg bewegst: Adesso vado, è tardi. — Ich gehe jetzt.
Der Fall, den das Deutsche anders sieht
Am deutlichsten wird der Unterschied bei einem Treffen an einem dritten Ort. Jemand fragt am Telefon: Ci vediamo al bar alle sette? Wenn ihr euch dort beide hinbewegt, kannst du vengo sagen — der Zuhörer wird dort sein.
- Va bene, vengo anch’io.
Sagt er dagegen: Io non posso, ma tu vacci — dann ist er nicht dabei, und du gehst: Sì, ci vado.
Ein zweiter Fall, der Deutschsprachige gern stolpern lässt: Ich komme mit. Wohin auch immer ihr geht, dein Gesprächspartner ist dabei, also:
- Vengo con te. — Ich komme mit dir mit.
- Vengo anch’io! — Ich komme auch mit!
Die Präpositionen nach andare
Das zweite Stolperfeld ist die Präposition. Sie hängt vom Zielort ab, nicht vom Verb.
- a vor Städten und kleinen Orten: vado a Roma, vado a Berlino, vado a casa, vado a letto.
- in vor Ländern, Regionen, Inseln und vielen Orten ohne Artikel: vado in Italia, in Toscana, in centro, in ufficio, in banca, in montagna.
- al, alla, allo vor Orten mit Artikel: vado al cinema, alla stazione, al supermercato, al mare.
- da vor Personen und Berufen: vado da Marco, vado dal medico, dal parrucchiere.
Genau dieselben Präpositionen gelten für venire: vengo a casa tua, vengo in centro con te, vieni da me stasera?
Das da vor Personen ist die häufigste Lücke bei Deutschsprachigen. Ich gehe zu Marco lädt dazu ein, a zu benutzen. Vor einem Menschen steht aber immer da.
Mit Infinitiv: andare a fare
Wenn ein Zweck folgt, verbindet a die beiden Verben:
- Vado a prendere il pane. — Ich gehe Brot holen.
- Andiamo a mangiare qualcosa?
- Vieni a vedere una cosa. — Komm mal was ansehen.
In der Vergangenheit
Beide Verben nehmen essere, das Partizip gleicht sich an:
- Ieri sono andato dal medico. / sono andata
- Sono venuti tutti alla festa.
- Siamo andate in centro a piedi.
Die Partizipien lauten andato — regelmäßig — und venuto, das man sich merken muss.
Ein verwandtes Paar: portare und andare a prendere
Wo Bewegung ist, ist oft auch etwas mitzunehmen. Auch hier trennt das Italienische nach Richtung:
- portare — etwas dorthin bringen: Porto il vino stasera.
- andare a prendere — etwas holen gehen: Vado a prendere i bambini a scuola.
Kleine Probe
- Kommst du zu meiner Party? — Ja, ich komme. · Morgen gehe ich zum Zahnarzt. · Ich komme mit dir mit. · Wir fahren im August nach Italien.
Die Lösungen: Vieni alla mia festa? — Sì, vengo. — Domani vado dal dentista. — Vengo con te. — Ad agosto andiamo in Italia.
Was du mitnehmen solltest
Frage dich nicht, ob es gehen oder kommen heißt, sondern: Ist mein Gesprächspartner am Zielort? Wenn ja, dann venire. Wenn nein, dann andare. Auf jede Einladung antwortet man mit vengo. Die Präposition danach richtet sich nach dem Ort: a für Städte, in für Länder, da für Menschen.
Häufige Fragen
Wann sage ich vengo und wann vado?
venire heißt: Ich bewege mich dorthin, wo mein Gesprächspartner ist oder sein wird. andare heißt: Ich bewege mich an einen dritten Ort, wo keiner von uns beiden ist. Auf die Einladung vieni alla festa antwortet man deshalb sì, vengo.
Welche Präposition folgt auf andare?
Vor Städten steht a, vor Ländern und Regionen in: vado a Roma, vado in Italia. Vor Personen steht da: vado da Marco. Und vor Infinitiv steht ebenfalls a: vado a prendere il pane.
Warum heißt es sono andato, aber auch sono venuto?
Beide sind Bewegungsverben und nehmen deshalb essere als Hilfsverb. Das Partizip gleicht sich an: sono andata, siamo venuti. Nur die Partizipform selbst ist bei venire unregelmäßig, nämlich venuto.
Was ist der häufigste Fehler von Deutschsprachigen?
Auf eine Einladung mit vado zu antworten, weil das Deutsche ich komme und ich gehe lockerer handhabt. Für italienische Ohren sagt vado alla tua festa, dass man dorthin geht, ohne den Gastgeber mitzudenken — es klingt distanziert.
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