Weihnachten in Italien: Bräuche, Essen, Glückwünsche
Cenone am 24., Geschenke von der Befana: Wie die italienischen Festtage ablaufen, wer wann was bringt und was man sagt, wenn man eingeladen ist.
≈ 11 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Den Ablauf der Festtage von Dezember bis Januar kennen
- Die richtigen Glückwünsche zum richtigen Zeitpunkt sagen
- Als Gast angemessen auftreten und etwas mitbringen
- Die regionalen Unterschiede einordnen
Die italienischen Festtage dauern länger als die deutschen und funktionieren anders: Der Abend des vierundzwanzigsten gehört dem Essen, die Geschenke kommen je nach Region an drei verschiedenen Tagen, und der Weihnachtsbaum ist weniger wichtig als die Krippe. Wer eingeladen ist, sollte das wissen.
Der Ablauf
- 8. Dezember — l’Immacolata, Feiertag. An diesem Tag werden traditionell Krippe und Baum aufgestellt.
- 13. Dezember — Santa Lucia. In Teilen des Nordens, etwa um Verona und Bergamo, bringt sie die Kindergeschenke.
- 24. Dezember — la Vigilia. Abends der cenone, danach oft die Mitternachtsmesse.
- 25. Dezember — Natale. Großes Mittagessen, vielerorts Geschenke.
- 26. Dezember — Santo Stefano, ebenfalls Feiertag.
- 31. Dezember — Capodanno mit erneutem cenone.
- 6. Januar — l’Epifania. Die Befana bringt Süßes, das Fest endet.
Ein Sprichwort fasst es zusammen: L’Epifania tutte le feste porta via — Dreikönig trägt alle Feste fort.
Das Essen: zweimal groß
Der cenone della Vigilia am Abend des vierundzwanzigsten ist traditionell fleischlos — es war ein Fastentag. Stattdessen gibt es Fisch, oft in vielen Gängen. In Süditalien sind sieben oder mehr üblich.
Am fünfundzwanzigsten folgt mittags das pranzo di Natale, dann meist mit Fleisch. Es beginnt gegen dreizehn Uhr und endet nicht selten um siebzehn.
Regional verschieden:
- Norden: tortellini in brodo, gekochtes Fleisch, panettone
- Mitte: cappelletti, gefüllte Braten
- Süden: Fisch am Vorabend, baccalà, frittierte Süßspeisen
Und der ewige Streit: panettone aus Mailand mit Rosinen und Zitronat gegen pandoro aus Verona ohne alles. Die Frage panettone o pandoro? ist eine echte, und die Antwort verrät die Herkunft.
Wer die Geschenke bringt
Hier gibt es keine einheitliche Regel, sondern drei Traditionen nebeneinander:
- Babbo Natale — der Weihnachtsmann, am 25. morgens. Heute am weitesten verbreitet.
- la Befana — eine alte Frau auf einem Besen, am 6. Januar. Sie füllt Strümpfe mit Süßem, und wer unartig war, bekommt carbone — Kohle aus Zucker.
- Santa Lucia — am 13. Dezember, in Teilen Norditaliens.
In vielen Familien laufen zwei davon parallel: große Geschenke von Babbo Natale, Kleinigkeiten von der Befana.
Die Krippe
Der presepe ist in Italien wichtiger als der Baum — vielerorts aufwendig gebaut, mit ganzen Landschaften. Das Jesuskind wird erst in der Nacht zum fünfundzwanzigsten hineingelegt, die Heiligen Drei Könige wandern über Wochen näher und kommen erst am sechsten Januar an.
In Neapel gibt es eine ganze Straße dafür, die Via San Gregorio Armeno, wo Krippenfiguren das ganze Jahr über verkauft werden — auch Figuren aktueller Politiker und Fußballer.
Die Glückwünsche
- Buon Natale! — Frohe Weihnachten (ab etwa dem 20. Dezember)
- Buone feste! — Frohe Festtage (die ganze Zeit über)
- Auguri! — passt immer
- Buon anno! — Gutes neues Jahr (ab Silvester)
- Tanti auguri a te e famiglia. — Alles Gute dir und deiner Familie.
- Buon Natale anche a lei! — Ihnen auch! (förmlich)
Auguri allein ist die sicherste Wahl, wenn man nicht weiß, welches Fest gerade ansteht — es funktioniert für Weihnachten, Neujahr, Geburtstage und Hochzeiten gleichermaßen.
Als Gast eingeladen
Wer eingeladen wird, sollte einiges wissen. Erstens: Es wird viel gegessen, über mehrere Stunden. Zweitens: Abzulehnen ist schwierig und wird als Kritik verstanden. Drittens: Es lohnt sich, mit leerem Magen zu kommen.
- Grazie mille per l’invito. — Vielen Dank für die Einladung.
- Ho portato una cosina. — Ich habe eine Kleinigkeit mitgebracht.
- È tutto buonissimo. — Alles ist ausgezeichnet.
- Non posso più, davvero. — Ich kann wirklich nicht mehr.
- Un pochino, allora. — Dann ein ganz kleines bisschen. (die höfliche Kapitulation)
- Complimenti alla cuoca! — Kompliment an die Köchin!
Was mitbringen: einen Nachtisch aus der Konditorei, eine Flasche Wein oder Blumen. Panettone ist sicher, aber oft schon dreifach vorhanden. Etwas aus der eigenen Heimat kommt besonders gut an — ein deutscher Christstollen ist ein Gesprächsthema für den ganzen Abend.
Silvester
- il cenone di Capodanno — das Silvesteressen
- le lenticchie — Linsen, für Geld im neuen Jahr
- il cotechino / lo zampone — die Wurst dazu
- i fuochi d’artificio — das Feuerwerk
- il brindisi — der Anstoß um Mitternacht
Linsen um Mitternacht sind fast Pflicht — sie sehen aus wie Münzen und sollen Wohlstand bringen. Und rote Unterwäsche zu Silvester ist ein verbreiteter Brauch, über den man mit ernstem Gesicht spricht.
- Cin cin! Buon anno!
- Auguri di buon anno a tutti!
Was geschlossen hat
Der achte Dezember, der fünfundzwanzigste, sechsundzwanzigste, erste Januar und sechste Januar sind Feiertage. Läden, Ämter und Banken haben zu, viele Restaurants ebenfalls — Weihnachten ist Familienzeit.
Der Handel läuft dagegen bis zum vierundzwanzigsten nachmittags auf Hochtouren. Wer noch etwas braucht, sollte nicht auf den Abend hoffen.
Kleine Probe
- Frohe Weihnachten! · Vielen Dank für die Einladung. · Ich kann wirklich nicht mehr. · Gutes neues Jahr!
Die Lösungen: Buon Natale! — Grazie mille per l’invito. — Non posso più, davvero. — Buon anno!
Was du mitnehmen solltest
Das Fest beginnt am achten Dezember und endet am sechsten Januar. Der cenone am Abend des vierundzwanzigsten ist der Kern, traditionell mit Fisch. Wer die Geschenke bringt, hängt von der Region ab — Babbo Natale, Befana oder Santa Lucia. Und auguri passt immer, wenn man unsicher ist.
Häufige Fragen
Wann gibt es die Geschenke?
Das ist regional verschieden. Vielerorts bringt Babbo Natale sie am 25. Dezember morgens, in anderen Gegenden die Befana am 6. Januar. In einigen Regionen bringt am 13. Dezember Santa Lucia die Geschenke für Kinder.
Was ist der cenone?
Das große Festessen am Abend des 24. Dezember, traditionell mit Fisch statt Fleisch. Am 25. folgt mittags ein zweites großes Essen, dann meist mit Fleisch. Beide dauern Stunden und sind der eigentliche Kern des Festes.
Was bringt man als Gast mit?
Einen Nachtisch aus der Konditorei, eine Flasche Wein oder Blumen. Panettone oder Pandoro sind sicher, aber häufig schon dreifach vorhanden. Etwas aus der eigenen Heimat kommt besonders gut an.
Was sagt man wann?
Buon Natale ab etwa dem 20. Dezember, Buone feste als allgemeine Formel für die ganze Zeit, Buon anno ab Silvester. Auguri passt immer und ist die einfachste Lösung, wenn man unsicher ist.
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