molto, poco, troppo: Adjektiv oder Adverb?
Molti libri, aber molto stanchi: Dieselben Wörter passen sich vor einem Nomen an und bleiben vor einem Adjektiv unverändert — daran scheitern die meisten.
≈ 9 Minuten Lesezeit
Danach kannst du
- Erkennen, wann sich molto anpasst und wann nicht
- Die Regel auf poco, troppo und tanto übertragen
- Die unveränderlichen Mengenwörter kennen
- Molto von più und meno im Vergleich unterscheiden
Molti libri, aber molto stanchi. Dasselbe Wort, einmal angepasst und einmal nicht. Das ist keine Ausnahme, sondern die konsequente Anwendung einer Regel, die im Italienischen überall gilt: Adjektive passen sich an, Adverbien nie.
Die Regel
Vor einem Nomen ist molto ein Adjektiv und passt sich an. Vor einem Adjektiv oder Adverb ist es ein Adverb und bleibt unverändert.
- molti libri — viele Bücher
- molta acqua — viel Wasser
- molte persone — viele Leute
- molto tempo — viel Zeit
Und ohne Anpassung:
- Siamo molto stanchi. — Wir sind sehr müde.
- È molto interessante. — Es ist sehr interessant.
- Parla molto bene. — Er spricht sehr gut.
- Grazie molto. — häufiger: grazie mille
Der Bedeutungsunterschied ist scharf: molto vor einem Nomen heißt „viel”, vor einem Adjektiv heißt es „sehr”. Zwei verschiedene Wörter im Deutschen, eines im Italienischen — die Stellung entscheidet.
Der Fehler, an dem man es merkt
- Falsch: „Siamo molti stanchi.”
- Richtig: Siamo molto stanchi.
Wer molti stanchi sagt, meint wörtlich „viele Müde”. Der Fehler entsteht, weil das Auge die Mehrzahl im Satz sieht und die Anpassung reflexhaft mitzieht. Die Frage, die hilft: Bezieht sich das Wort auf das Nomen oder auf das Adjektiv?
Dieselbe Regel für poco, troppo und tanto
Alle vier verhalten sich gleich:
- pochi amici wenige Freunde — poco interessante wenig interessant
- troppi problemi zu viele Probleme — troppo difficile zu schwierig
- tanta gente so viele Leute — tanto bello so schön
Beachte die Schreibung von poco: Im Plural männlich kommt ein h dazu, damit der harte Klang bleibt — pochi, poche.
Und un po’ ist die verkürzte Form von un poco. Sie trägt einen Apostroph, keinen Akzent: un po’ di pane. Ein geschriebenes „un pò” gilt als Fehler.
Die unveränderlichen
Vier Mengenwörter passen sich nie an, egal wo sie stehen:
- abbastanza — genug, ziemlich: abbastanza libri, abbastanza bene
- più — mehr: più tempo, più difficile
- meno — weniger
- piuttosto — ziemlich, eher
Diese vier sind eine Erleichterung: Wer unsicher ist, kann auf sie ausweichen und liegt nie falsch.
Der Sonderfall qualche
Qualche heißt „einige”, verlangt aber zwingend die Einzahl:
- Richtig: qualche libro — einige Bücher
- Falsch: „qualche libri”
- Ho qualche domanda. — Ich habe ein paar Fragen.
Das ist ein Widerspruch zwischen Form und Sinn, den man sich merken muss. Die Alternativen mit Mehrzahl sind alcuni libri und dei libri.
tutto: die eigene Regel
Tutto passt sich an und verlangt zusätzlich den bestimmten Artikel:
- tutto il giorno — den ganzen Tag
- tutta la notte — die ganze Nacht
- tutti i giorni — jeden Tag
- tutte le settimane — jede Woche
Der Artikel ist Pflicht — „tutti giorni” wäre falsch. Und beachte den Bedeutungswechsel zwischen Einzahl und Mehrzahl: tutto il giorno ist der ganze Tag, tutti i giorni sind alle Tage, also täglich.
ogni und ciascuno
- ogni — jeder, unveränderlich und mit Einzahl: ogni giorno, ogni volta
- ciascuno — jeder einzelne, mit Einzahl: ciascuno studente
Ogni giorno und tutti i giorni bedeuten dasselbe. Die zweite Form ist im Gespräch häufiger.
Als Pronomen: allein stehend
Alle vier können ohne Nomen stehen und ersetzen es dann. Sie richten sich nach dem, was gemeint ist:
- Molti pensano così. — Viele denken so.
- Pochi lo sanno. — Wenige wissen es.
- Ne ho mangiato troppo. — Ich habe zu viel davon gegessen.
- Tanti sono venuti. — Viele sind gekommen.
Ohne Zusammenhang steht die männliche Mehrzahl — sie meint Menschen allgemein. Geht es um eine bestimmte Gruppe, richtet sich die Form danach: delle mie amiche, molte sono partite.
Im Vergleich: molto gegen più
Eine Verwechslung, die in Vergleichssätzen entsteht:
- È molto difficile. — Es ist sehr schwierig.
- È più difficile. — Es ist schwieriger.
- È molto più difficile. — Es ist viel schwieriger.
Die dritte Form kombiniert beide: molto verstärkt hier den Vergleich, nicht das Adjektiv. Dasselbe mit meno: molto meno caro, viel weniger teuer.
Und molto steht auch bei Verben, wo es „viel” heißt: lavora molto, er arbeitet viel. Auch dort unverändert, weil es sich aufs Verb bezieht.
Die Verstärkung mit -issimo
Statt molto kann man die Steigerung an das Adjektiv hängen:
- molto bello = bellissimo
- molto stanco = stanchissimo
- molto buono = buonissimo
Diese Form passt sich wieder an, weil sie ein Adjektiv ist: bellissima, bellissimi. Sie klingt lebhafter als molto und ist im Gespräch sehr beliebt.
Auch Adverbien lassen sich so verstärken: benissimo, malissimo, pochissimo. Diese bleiben unverändert.
Kleine Probe
- viele Leute · sehr müde · zu viele Fragen · zu schwierig · den ganzen Tag
Die Lösungen: molte persone (vor Nomen, angepasst). molto stanchi (vor Adjektiv, unverändert). troppe domande. troppo difficile. tutto il giorno (mit Artikel).
Was du mitnehmen solltest
Eine Frage entscheidet alles: Steht ein Nomen dahinter oder ein Adjektiv? Vor dem Nomen passt sich molto an und heißt „viel”. Vor einem Adjektiv bleibt es unverändert und heißt „sehr”. Dieselbe Regel gilt für poco, troppo und tanto. Und wer unsicher ist, weicht auf abbastanza oder -issimo aus.
Häufige Fragen
Wann passt sich molto an?
Vor einem Nomen, weil es dort ein Adjektiv ist: molti libri, molta acqua, molte persone. Vor einem Adjektiv oder Adverb bleibt es unverändert, weil es dort ein Adverb ist: molto stanchi, molto bene.
Warum heißt es siamo molto stanchi und nicht molti stanchi?
Weil molto hier sehr bedeutet und sich auf das Adjektiv bezieht, nicht auf die Personen. Adverbien sind im Italienischen unveränderlich. Molti stanchi würde viele Müde heißen.
Gilt das auch für poco und troppo?
Ja, genau dieselbe Regel. Pochi amici mit Anpassung, poco interessante ohne. Troppi problemi mit Anpassung, troppo difficile ohne. Auch tanto verhält sich so.
Welche Mengenwörter ändern sich nie?
Abbastanza, più, meno und piuttosto bleiben immer gleich. Ebenso qualche, das zusätzlich das folgende Nomen in die Einzahl zwingt: qualche libro, nie qualche libri.
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