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Ist Italienisch schwer? Was Deutschen leichtfällt — und was nicht

Italienisch gilt als leicht — und ist es bis A2 auch. Wo der schnelle Anfang endet, was Deutschen wirklich schwerfällt und wie lange es realistisch dauert.

7 Minuten Lesezeit

Die kurze Antwort: Italienisch gehört zu den Sprachen, die Deutschsprachige am schnellsten lernen. Die längere Antwort ist interessanter — weil das Leichte und das Schwere nicht dort liegen, wo die meisten es vermuten.

Was das Amt sagt

Das Foreign Service Institute, die Sprachschule des US-Außenministeriums, teilt Sprachen in Schwierigkeitskategorien für englische Muttersprachler ein. Italienisch steht in Kategorie I, der leichtesten: rund 600 bis 750 Unterrichtsstunden bis zur beruflichen Sprachfähigkeit. Zum Vergleich: Deutsch braucht etwa 900, Russisch 1100, Japanisch 2200.

Für Deutschsprachige gelten diese Zahlen nicht eins zu eins, aber die Größenordnung stimmt. Italienisch ist keine schwere Sprache — es ist eine mit einem sehr steilen Anfang und einer langen, flachen Mitte.

Vier Dinge, die überraschend leichtfallen

Die Aussprache. Italienisch wird gesprochen, wie es geschrieben steht — mit einer Handvoll Regeln, die man an einem Nachmittag lernt. Kein stummes Ende, keine Vokale, die im Deutschen nicht vorkommen. Nach zwei Wochen liest du jedes Wort korrekt vor, auch wenn du es nicht kennst.

Der Wortschatz. Über das Lateinische teilt sich das Italienische einen erstaunlichen Teil des Bildungswortschatzes mit dem Deutschen. La stazione, la situazione, la realtà, il problema — wer die Muster kennt, versteht tausende Wörter, ohne sie gelernt zu haben. Deutsches -tion wird italienisch -zione, deutsches -heit oft -tà.

Die Satzstellung. Subjekt, Verb, Objekt — wie im Deutschen im Hauptsatz. Und anders als im Deutschen wandert das Verb im Nebensatz nicht ans Ende. Für Lernende ist das eine Erleichterung, kein Hindernis.

Der Einstieg. Nach zwanzig Stunden kannst du bestellen, dich vorstellen, nach dem Weg fragen und verstehen, was man dir antwortet. Dieses frühe Erfolgserlebnis gibt es nicht in jeder Sprache.

Vier Dinge, die tatsächlich schwer sind

Die Artikel. Sieben Formen statt drei, und welche steht, hängt vom Anfangslaut des nächsten Wortes ab. Das ist am Anfang die größte Hürde — und mit einer Gewohnheit lösbar: jedes Nomen von Anfang an mit Artikel lernen.

Die Objektpronomen. Me lo dai? — „Gibst du es mir?“ Zwei Pronomen, die verschmelzen, vor dem Verb stehen und manchmal daran angehängt werden. Hier steigen viele auf B1-Niveau aus. Es ist die Stelle, an der Italienisch wirklich anders funktioniert als Deutsch.

Der Congiuntivo. Eine Verbform, für die es im Deutschen keine echte Entsprechung mehr gibt. Sie steht nach Ausdrücken der Meinung, des Zweifels, des Wunsches — und Italiener merken sofort, wenn sie fehlt. Kommt aber erst ab B2 wirklich in den Weg.

Die Vergangenheit. Passato prossimo oder Imperfetto? Beide entsprechen dem deutschen Perfekt, unterscheiden aber, ob eine Handlung abgeschlossen war oder andauerte. Diese Unterscheidung gibt es im Deutschen nicht — man muss sie neu denken, nicht übersetzen.

Die ehrliche Einschätzung

Bis A2 ist Italienisch eine der leichtesten Sprachen, die man als Deutschsprachiger lernen kann. Zwischen B1 und B2 wird es dann normal schwer — nicht schwerer als Französisch oder Spanisch, aber auch nicht mehr geschenkt.

Der häufigste Abbruchgrund ist deshalb nicht die Grammatik, sondern der Moment, in dem der schnelle Anfangsfortschritt aufhört. Wer das erwartet, hält durch.

Was den Unterschied macht

Nicht Talent, nicht Vorbildung, sondern Regelmäßigkeit. Zwanzig Minuten täglich schlagen drei Stunden am Sonntag — weil Vokabeln in Abständen wiederholt werden müssen, nicht am Stück gepaukt.

Genau dafür ist der Vokabeltrainer auf Andiamoo gebaut: Er fragt jedes Wort dann ab, wenn du kurz davor bist, es zu vergessen. Das ist die einzige Abkürzung, die es beim Sprachenlernen wirklich gibt.

Die falschen Freunde, die wirklich gefährlich sind

Weil Italienisch und Deutsch so viele Wörter teilen, entsteht ein Trugschluss: Was bekannt aussieht, muss auch bekannt bedeuten. Diese sechs Fälle kosten regelmäßig Missverständnisse:

  • il camino ist der Kamin, il cammino mit zwei m der Weg.
  • la firma heißt Unterschrift, nicht Firma. Die Firma ist la ditta oder l’azienda.
  • il regalo ist das Geschenk, nicht das Regal.
  • caldo heißt warm, nicht kalt. Wer im Restaurant è troppo caldo sagt, beschwert sich über zu heißes Essen.
  • la mappa ist die Landkarte, nicht die Mappe.
  • morbido heißt weich, nicht morbide.

Der letzte ist ein gutes Beispiel für ein größeres Muster: Viele italienische Wörter, die im Deutschen gehoben oder negativ klingen, sind im Italienischen völlig alltäglich. Morbido steht auf jeder Handtuchverpackung.

Warum Deutschsprachige beim Sprechen zögern

Ein Muster, das in Sprachkursen immer wieder auftaucht: Deutschsprachige verstehen früh gut und sprechen spät. Der Grund ist selten fehlendes Wissen, sondern der Anspruch, den Satz vorher fertig im Kopf zu haben.

Das funktioniert im Deutschen, weil man das Verb ans Ende stellen und bis dahin planen kann. Im Italienischen steht das Verb früh — man muss losreden, bevor der Satz fertig gedacht ist. Diese Umstellung ist keine sprachliche, sondern eine gewohnheitsmäßige, und sie dauert bei den meisten länger als die Grammatik.

Was hilft: bewusst kürzere Sätze bauen. Drei kurze Sätze sind besseres Italienisch als ein langer, der in der Mitte stecken bleibt — und sie klingen näher an dem, wie Italiener tatsächlich reden.

Häufige Fragen

Ist Italienisch schwerer als Spanisch?

Für Deutschsprachige liegen beide etwa gleichauf. Italienisch hat die etwas klarere Aussprache und weniger unregelmäßige Verben im Präsens, Spanisch die einfacheren Artikel. Wer eine der beiden Sprachen kann, lernt die andere in etwa halber Zeit.

Wie lange braucht man für Italienisch A1?

Etwa 80 bis 100 Stunden gesamte Lernzeit. Bei zwanzig Minuten täglich sind das rund acht bis zehn Monate, bei einer Stunde täglich etwa drei bis vier.

Was ist am italienischen Anfang am schwersten?

Die sieben bestimmten Artikel. Welcher steht, hängt vom Geschlecht und vom Anfangslaut des folgenden Wortes ab. Die Lösung ist keine Regel im Kopf, sondern die Gewohnheit, jedes Nomen gleich mit Artikel zu lernen.

Kann man Italienisch ohne Vorkenntnisse alleine lernen?

Ja, bis etwa B1 gut. Ab B2 lohnt sich ein Gegenüber, weil freies Sprechen und der Congiuntivo Rückmeldung brauchen. Bis dahin reichen strukturierte Lektionen, Übungen und regelmäßiges Hören.

Dazu passend auf Andiamoo