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Studieren in Italien: Zulassung und Sprachnachweis

Dichiarazione di valore, B2-Nachweis über CILS oder CELI, numero programmato und ISEE: der Weg an eine italienische Universität und die sprachliche Vorbereitung darauf.

6 Minuten Lesezeit

Italienische Universitäten sind für deutsche Studierende gut zugänglich, aber der Weg dorthin verläuft anders als das deutsche Verfahren über Hochschulstart oder die Uni direkt. Zwei Dinge entscheiden: die formale Anerkennung des Abiturs und der Nachweis, dass du dem Unterricht sprachlich folgen kannst.

Hinweis: Verfahren, Fristen und Gebühren legen die Universitäten und das Ministerium jedes Jahr neu fest und unterscheiden sich zwischen den Hochschulen erheblich. Dieser Text beschreibt die Schritte und die Begriffe. Die verbindlichen Angaben stehen im aktuellen bando, der Ausschreibung deiner Wunschuniversität — und nur dort.

Die Struktur des Studiums

Italien ist Teil des Bologna-Systems, die Struktur ist also vertraut, die Namen sind es nicht:

  • Laurea triennale — der dreijährige Bachelor.
  • Laurea magistrale — der zweijährige Master.
  • Laurea magistrale a ciclo unico — durchgehende Studiengänge ohne Zwischenabschluss, etwa Medizin, Jura, Architektur.
  • CFU (crediti formativi universitari) — die Leistungspunkte, die den ECTS entsprechen.

Ein struktureller Unterschied fällt schnell auf: Prüfungen, die esami, sind in Italien häufig mündlich, oft vor der ganzen Gruppe, und man kann eine Note ablehnen und die Prüfung in einer späteren Prüfungssession, dem appello, wiederholen. Sprachlich ist das anspruchsvoll: Du musst Fachinhalte frei vortragen und auf Rückfragen reagieren.

Der Zulassungsweg

Für EU-Bürger läuft die Bewerbung in der Regel direkt bei der Universität. Die typischen Bausteine:

  1. Anerkennung des Abiturs. Das italienische Konsulat stellt dazu die dichiarazione di valore aus — eine Bewertung, die einordnet, was dein deutscher Abschluss im italienischen System bedeutet und wozu er berechtigt. Alternativ akzeptieren viele Universitäten inzwischen ein Statement of Comparability des italienischen ENIC-NARIC-Zentrums CIMEA. Welche Variante deine Uni will, steht im bando.
  2. Beglaubigte Übersetzungen von Zeugnis und gegebenenfalls weiteren Dokumenten, teils mit Apostille.
  3. Der Sprachnachweis — dazu gleich mehr.
  4. Zulassungsprüfung, wo der Studiengang zulassungsbeschränkt ist (a numero programmato). Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Architektur und Pflegeberufe gehören regelmäßig dazu; die Tests finden landesweit zu festen Terminen statt.
  5. Immatricolazione — die Einschreibung.

Wer sich vom Ausland bewirbt, sollte früh anfangen. Die konsularischen Schritte brauchen Zeit, und die Termine für Zulassungsprüfungen liegen oft deutlich vor dem Semesterbeginn.

Der Sprachnachweis: der Kern der Sache

Für italienischsprachige Studiengänge verlangen die Universitäten in aller Regel B2. Anerkannt werden üblicherweise die vier etablierten Zertifikate:

  • CILS — Università per Stranieri di Siena
  • CELI — Università per Stranieri di Perugia
  • PLIDA — Società Dante Alighieri
  • CERT.IT — Università Roma Tre

Alle vier sind an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen gebunden und werden in Deutschland an zahlreichen Prüfungszentren abgenommen, häufig an Instituten der Dante Alighieri und an Volkshochschulen. Die Prüfungstermine liegen fest und sind rar — plan mindestens ein halbes Jahr Vorlauf ein.

Viele Universitäten bieten alternativ einen eigenen Einstufungstest an, mit dem man den Nachweis ersetzen kann. Wer ihn nicht besteht, kann sich oft trotzdem einschreiben, muss dann aber begleitende Sprachkurse belegen — das kostet Semester.

Für englischsprachige Studiengänge, von denen es besonders in Wirtschaft, Ingenieurwesen und Design zunehmend viele gibt, entfällt der Italienischnachweis. Das ist verlockend und hat einen Haken: Du wohnst trotzdem in Italien, gehst zum Amt, suchst eine Wohnung und willst Freunde. Ohne Italienisch bleibt man in der internationalen Blase.

Gebühren und Förderung

Staatliche italienische Universitäten erheben Studiengebühren, die tasse universitarie. Ihre Höhe hängt vom Einkommen der Familie ab und wird über den ISEE ermittelt, einen berechneten Indikator der wirtschaftlichen Lage; für im Ausland lebende Familien gibt es dafür ein eigenes Verfahren, den ISEE parificato. Weil das Ergebnis vom Einzelfall abhängt und die Beitragsordnungen jährlich neu gefasst werden, nennen wir hier bewusst keine Beträge — sie stehen in der Gebührenordnung deiner Universität.

Daneben gibt es regionale Studienförderung über die DSU-Stellen der Regionen, die Stipendien, Wohnheimplätze und Mensavergünstigungen vergeben. Auch Erasmus bleibt für viele der einfachste Weg, Italien erst einmal auszuprobieren, ohne den vollen Zulassungsweg zu gehen.

Alltag als Studierende in Italien

Zwei Dinge überraschen deutsche Studierende regelmäßig. Erstens die Wohnungssuche: In Universitätsstädten ist der private Zimmermarkt im September und Oktober leergefegt, und Vermieter verlangen den codice fiscale und oft eine Bürgschaft. Wohnheimplätze werden über die regionale Studienförderung vergeben und sind knapp — bewirb dich früh und parallel zur Zulassung, nicht danach.

Zweitens die Prüfungsorganisation. Es gibt keine feste Klausurwoche wie in Deutschland, sondern Prüfungssessionen mit mehreren Terminen, den appelli, für die man sich einzeln online anmeldet. Wer den Termin verpasst, wartet auf den nächsten. Diese Freiheit ist angenehm und für Leute ohne Selbstorganisation gefährlich: Man kann Prüfungen sehr lange vor sich herschieben, und viele tun es.

Die Frage, die man sich vorher stellen sollte

Ein italienischer Abschluss ist innerhalb der EU anerkannt, aber der Weg dorthin ist sprachlich teuer. Wer nur ein oder zwei Auslandssemester will, fährt mit Erasmus deutlich einfacher: keine dichiarazione di valore, kein Sprachzertifikat in derselben Härte, keine Einschreibung, und die Leistungen werden über eine Vereinbarung vorher anerkannt. Der volle Zulassungsweg lohnt sich für Studiengänge, die es in Deutschland so nicht gibt — Restaurierung, Design, Kunstgeschichte in bestimmten Ausrichtungen —, für Medizin, wo die Zugangswege anders verlaufen, und für alle, die tatsächlich in Italien bleiben wollen.

Sprachlich vorbereiten: was konkret hilft

  • Fachwortschatz früh anlegen. Die Alltagssprache reicht nicht für eine Vorlesung. Nimm dir die Grundbegriffe deines Fachs auf Italienisch vor, bevor du anfängst.
  • Mündliches Vortragen üben. Die italienische Prüfungskultur ist mündlich. Wer nur schreiben kann, hat ein Problem.
  • Vorlesungen hören. Viele italienische Universitäten stellen Aufzeichnungen frei ins Netz. Eine Vorlesung im eigenen Fach zu hören ist das ehrlichste Niveaufeedback, das es gibt.

Was bleibt

Der Weg besteht aus drei Teilen: Abitur anerkennen lassen (dichiarazione di valore oder CIMEA-Vergleichbarkeitsbescheinigung), B2 nachweisen (CILS, CELI, PLIDA, CERT.IT oder Uni-Test), einschreiben. Alles davon braucht Vorlauf, besonders die Konsulatsschritte und die seltenen Prüfungstermine. Und wer auf Englisch studiert, sollte das Italienische trotzdem lernen — sonst wohnt man in Italien, ohne dort anzukommen.

Häufige Fragen

Welches Sprachniveau braucht man zum Studieren in Italien?

Für italienischsprachige Studiengänge in der Regel B2, nachgewiesen über CILS, CELI, PLIDA oder CERT.IT oder über einen Einstufungstest der Universität. Bei englischsprachigen Studiengängen entfällt der Nachweis, für Alltag und Behörden bleibt Italienisch aber nötig.

Was ist die dichiarazione di valore?

Eine vom italienischen Konsulat ausgestellte Bewertung deines ausländischen Schul- oder Hochschulabschlusses, die einordnet, wozu er im italienischen System berechtigt. Viele Universitäten akzeptieren alternativ ein Statement of Comparability von CIMEA. Was verlangt wird, steht im bando der Hochschule.

Was kostet ein Studium in Italien?

Staatliche Universitäten erheben einkommensabhängige Gebühren, die über den ISEE ermittelt werden; für im Ausland lebende Familien gibt es den ISEE parificato. Die Beträge werden jährlich neu festgesetzt und unterscheiden sich stark — maßgeblich ist die Gebührenordnung der jeweiligen Hochschule.