Italienische Sprichwörter mit deutscher Entsprechung
Zwanzig italienische Sprichwörter, die im Alltag vorkommen, mit deutscher Entsprechung — und der Hinweis, warum Italiener sie meist nur halb aussprechen.
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Sprichwörter sind der schnellste Weg, in einer Fremdsprache erwachsen zu klingen — und der schnellste Weg, unfreiwillig komisch zu wirken, wenn man sie falsch einsetzt. Hier stehen die italienischen Sprichwörter, die im Alltag tatsächlich vorkommen, mit der deutschen Entsprechung und einem Hinweis, wann man sie benutzt.
Die zwanzig gebräuchlichsten
- Chi dorme non piglia pesci. — Wer schläft, fängt keine Fische. Deutsch: Morgenstund hat Gold im Mund.
- Meglio tardi che mai. — Besser spät als nie. Wörtlich identisch.
- Chi va piano, va sano e va lontano. — Wer langsam geht, geht gesund und kommt weit. Deutsch: Eile mit Weile.
- Tra il dire e il fare c’è di mezzo il mare. — Zwischen Sagen und Tun liegt das Meer. Deutsch: Zwischen Wort und Tat liegt ein weiter Weg.
- Non tutte le ciambelle riescono col buco. — Nicht jeder Kringel gerät mit Loch. Deutsch: Es kann nicht immer alles klappen.
- A caval donato non si guarda in bocca. — Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
- L’erba del vicino è sempre più verde. — Das Gras des Nachbarn ist immer grüner.
- Chi trova un amico trova un tesoro. — Wer einen Freund findet, findet einen Schatz.
- Il lupo perde il pelo ma non il vizio. — Der Wolf verliert das Fell, aber nicht die Untugend. Deutsch: Die Katze lässt das Mausen nicht.
- Chi la fa l’aspetti. — Wer es tut, soll es erwarten. Deutsch: Wie man in den Wald hineinruft.
- Occhio non vede, cuore non duole. — Was das Auge nicht sieht, schmerzt das Herz nicht. Deutsch: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
- Chi ben comincia è a metà dell’opera. — Wer gut beginnt, ist halb fertig. Deutsch: Frisch gewagt ist halb gewonnen.
- Paese che vai, usanza che trovi. — Anderes Land, andere Sitte. Deutsch: Andere Länder, andere Sitten.
- Rosso di sera, bel tempo si spera. — Abendrot, Schönwetter droht. Eine Wetterregel, die man wirklich hört.
- Chi non risica non rosica. — Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Deutsch: Wer wagt, gewinnt.
- L’appetito vien mangiando. — Der Appetit kommt beim Essen.
- Non c’è due senza tre. — Es gibt keine zwei ohne drei. Sagt man, wenn etwas zum zweiten Mal passiert ist.
- Chi fa da sé fa per tre. — Wer es selbst macht, macht es für drei. Deutsch: Selbst ist der Mann.
- Tutte le strade portano a Roma. — Alle Wege führen nach Rom.
- Anno nuovo, vita nuova. — Neues Jahr, neues Leben.
Sprichwörter mit Essen — natürlich
Ein auffälliger Teil des italienischen Sprichwortschatzes handelt vom Essen, und zwar in übertragener Bedeutung.
- Tutto fa brodo. — Alles ergibt Brühe. Deutsch: Alles hilft, jede Kleinigkeit zählt.
- Cadere a fagiolo. — Wie die Bohne fallen, also genau im richtigen Moment kommen.
- Essere come il prezzemolo. — Sein wie die Petersilie: überall dabei.
- Rendere pan per focaccia. — Brot für Fladen zurückgeben. Deutsch: mit gleicher Münze heimzahlen.
- Buono come il pane. — Gut wie Brot, also grundgütig.
- Avere le mani in pasta. — Die Hände im Teig haben: mitmischen, beteiligt sein.
- Non sapere che pesci pigliare. — Nicht wissen, welche Fische man greifen soll: ratlos sein.
Wendungen, die keine Sprichwörter sind, aber wie welche wirken
- In bocca al lupo. — „Viel Glück“, wörtlich „in den Rachen des Wolfs“. Antwort: crepi. Nie mit grazie antworten, das gilt als Unglücksbringer.
- Piove sul bagnato. — Es regnet aufs Nasse: Wer hat, dem wird gegeben — oder Pech häuft sich.
- Chiodo scaccia chiodo. — Ein Nagel treibt den anderen aus. Sagt man nach einer Trennung.
- Ogni morte di papa. — Bei jedem Papsttod: sehr selten, „alle Jubeljahre“.
- Non vedo l’ora. — Ich sehe die Stunde nicht: ich kann es kaum erwarten. Extrem häufig.
- Costa un occhio della testa. — Es kostet ein Auge aus dem Kopf: sündhaft teuer.
- Prendere due piccioni con una fava. — Zwei Tauben mit einer Bohne fangen. Deutsch: zwei Fliegen mit einer Klappe.
Sprichwörter über Wetter und Jahreslauf
Eine eigene Gruppe bilden die Bauernregeln, die in Italien noch erstaunlich präsent sind — nicht als Landwirtschaftswissen, sondern als Redensart.
- Marzo pazzerello, guarda il sole e prendi l’ombrello. — Der verrückte März: Schau in die Sonne und nimm den Schirm.
- Aprile, dolce dormire. — April, süßes Schlafen. Sagt man, wenn man im Frühjahr müde ist.
- L’Epifania tutte le feste porta via. — Dreikönig trägt alle Feste fort. Der offizielle Schlusspunkt der italienischen Weihnachtszeit am 6. Januar.
- Natale con i tuoi, Pasqua con chi vuoi. — Weihnachten mit den Deinen, Ostern mit wem du willst. Beschreibt eine reale soziale Regel: Weihnachten ist Familienpflicht, Ostern ist frei.
- Se son rose, fioriranno. — Wenn es Rosen sind, werden sie blühen. Deutsch etwa: Man wird sehen, ob etwas daraus wird.
Wie man sie richtig einsetzt
Der häufigste Fehler ist die Dosis. Ein Sprichwort im Gespräch wirkt geistreich, drei wirken wie eine Kalendersammlung. Italiener benutzen Sprichwörter durchaus, aber meist verkürzt und beiläufig: Man sagt chi va piano … und lässt den Rest offen, weil das Gegenüber ihn kennt. Das Anfangen und Abbrechen ist die idiomatische Form; der komplette Satz klingt lehrerhaft.
Der zweite Fehler ist die wörtliche Übersetzung deutscher Sprichwörter. „Da liegt der Hund begraben“ oder „auf dem Holzweg sein“ ergeben auf Italienisch nichts. Wenn dir kein italienisches Äquivalent einfällt, sag den Inhalt in normalen Worten — das ist immer besser als ein selbstgebautes Bild.
Der dritte Punkt ist regional. Neben den landesweiten Sprichwörtern gibt es riesige dialektale Bestände, besonders im Süden und in der Toskana. Die versteht außerhalb der Region niemand, und sie zu benutzen wirkt bei einem Ausländer eigenartig.
Was bleibt
Nimm dir fünf Sprichwörter vor, nicht fünfzig — etwa meglio tardi che mai, chi va piano va sano e va lontano, non vedo l’ora, in bocca al lupo und tutto fa brodo. Setze sie sparsam ein, gern verkürzt, und übersetze niemals ein deutsches Bild wörtlich. Der Rest der Liste ist zum Verstehen da, und dafür lohnt sie sich wirklich.
Häufige Fragen
Welches italienische Sprichwort hört man am häufigsten?
<span lang="it">Chi va piano, va sano e va lontano</span> — „wer langsam geht, geht gesund und kommt weit“, also Eile mit Weile. Meist wird es abgekürzt: Man sagt nur den ersten Teil, weil jeder den Rest kennt. Ähnlich häufig ist <span lang="it">non vedo l'ora</span> für „ich kann es kaum erwarten“.
Was antwortet man auf In bocca al lupo?
<span lang="it">Crepi</span>, oder ausführlich <span lang="it">crepi il lupo</span>. Mit <span lang="it">grazie</span> zu antworten gilt als Unglücksbringer — ähnlich wie im Deutschen der Dank auf „Hals- und Beinbruch“ als unpassend empfunden wird.
Kann ich deutsche Sprichwörter ins Italienische übersetzen?
Meist nicht. Bilder wie „da liegt der Hund begraben“ ergeben auf Italienisch keinen Sinn. Wenn dir kein italienisches Äquivalent einfällt, sag den Inhalt in gewöhnlichen Worten — das ist immer verständlicher als ein selbstgebautes Bild.