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Italienische Wörter im Deutschen

Bank, Fresko, Espresso: in drei Wellen kamen hunderte italienische Wörter ins Deutsche. Woher sie stammen, und wo sich die Bedeutung unterwegs verschoben hat.

6 Minuten Lesezeit

Wer noch nie Italienisch gelernt hat, kennt trotzdem einige hundert italienische Wörter. Sie stehen auf der Speisekarte, im Notenheft, in der Bank und im Baumarkt. Dieser Beitrag sortiert sie nach den drei Wellen, in denen sie ins Deutsche kamen — und zeigt, wo die deutsche Bedeutung sich vom italienischen Original entfernt hat.

Erste Welle: Handel und Bankwesen, ab dem 13. Jahrhundert

Die ältesten Italianismen im Deutschen sind Kaufmannswörter. Die oberitalienischen Städte — Florenz, Genua, Venedig — hatten im Spätmittelalter das entwickeltste Finanzwesen Europas, und deutsche Handelshäuser übernahmen mit den Methoden auch die Begriffe.

  • Bank von banca, ursprünglich der Tisch des Geldwechslers.
  • Bankrott von banca rotta, dem zerbrochenen Tisch des zahlungsunfähigen Wechslers.
  • Konto von conto, Saldo von saldo, Skonto von sconto (Abzug).
  • brutto und netto — im Italienischen heißt brutto allerdings „hässlich“ und netto „sauber, klar“. Die kaufmännische Bedeutung ist im Deutschen erhalten, im italienischen Alltag längst überlagert.
  • Risiko von rischio, Kredit über credito, Kasse von cassa, Tara von tara, Porto und Agio ebenso.

Aus derselben Zeit stammt der Bilanz-Begriff (bilancio) und die kaufmännische Prozente-Rechnung. Auch die doppelte Buchführung wurde in Italien beschrieben und wanderte mit ihrem Vokabular nach Norden.

Zweite Welle: Kunst, Musik, Architektur

Die Renaissance und später die Oper machten Italienisch zur europäischen Fachsprache der Künste. Diese Schicht ist die auffälligste, weil viele Wörter unverändert geblieben sind.

Musik: piano, forte, allegro, adagio, andante, largo, crescendo, staccato, legato, Tempo, Takt (über tatto), Sonate, Kantate, Konzert, Oper, Arie, Sopran, Alt, Tenor, Bass, Cello, Bratsche (aus viola da braccio), Klavier über Umwege, Solo, Duett, Terzett, Finale, Intermezzo, Fermate, Partitur, Maestro, Primadonna, Prima Vista.

Kunst und Bauen: Fresko (a fresco, „ins Frische“), Stuck, Kuppel, Kartusche, Torso, Miniatur, Aquarell (acquerello), Karikatur (caricatura, von caricare = überladen), Balkon (balcone), Fassade, Loggia, Terrazzo, Piazza, Palazzo, Kasematte, Bastion, Galerie.

Bemerkenswert ist, wie viele davon im Italienischen Alltagswörter sind: il balcone ist einfach der Balkon, la piazza jeder Platz, il maestro auch der Grundschullehrer. Im Deutschen klingen sie gehoben, weil sie über die Kunst zu uns kamen.

Dritte Welle: Küche und Lebensgefühl, ab den 1950ern

Die größte und jüngste Schicht kam mit den italienischen Arbeitsmigranten und dem deutschen Urlaub in Italien. Sie ist noch nicht abgeschlossen.

Pizza, Pasta, Spaghetti, Makkaroni, Penne, Lasagne, Gnocchi, Risotto, Ravioli, Mozzarella, Parmesan (über das Französische), Ricotta, Prosciutto, Salami, Pesto, Rucola, Zucchini, Broccoli, Espresso, Cappuccino, Latte macchiato, Grappa, Prosecco, Amaretto, Tiramisù, Panna cotta, Gelato, Antipasti, Bruschetta, Focaccia, Carpaccio, Ciabatta, Panini.

Ein paar dieser Wörter haben im Deutschen eine Form angenommen, die in Italien nicht existiert. Latte macchiato ist in Italien ein Kindergetränk und wird selten so bestellt; wer in einer Bar un latte verlangt, bekommt ein Glas Milch. Panini ist ein Plural — ein Stück heißt un panino. Dasselbe gilt für Spaghetti, Gnocchi, Ravioli und Antipasti. Und Salami ist streng genommen ebenfalls Plural (un salame, i salami).

Wie sich die Bedeutung unterwegs verschiebt

Fast jedes entlehnte Wort wird beim Grenzübertritt schmaler. Das Deutsche übernimmt eine bestimmte Verwendung und lässt den Rest zurück. Drei Muster wiederholen sich dabei.

Verengung. Il ristorante ist im Italienischen ein Gasthaus jeder Preisklasse; im Deutschen klingt „Ristorante“ nach gehobener Küche. La trattoria und l’osteria sind in Italien einfachere Lokale — die Osteria war ursprünglich eine Weinschenke —, im deutschen Sprachgebrauch dienen beide als Namensschmuck. Umgekehrt ist il bar in Italien vor allem eine Kaffeebar, die morgens um sieben öffnet, und keine Abendkneipe.

Aufwertung. Wörter, die im Italienischen neutral sind, klingen im Deutschen exklusiv: la villa, il maestro, la piazza, la loggia. Diese Aufwertung entsteht durch den Weg der Entlehnung — sie kamen über Kunst, Musik und Reise zu uns, also über Kontexte mit Prestige.

Formveränderung. Manche Wörter haben im Deutschen eine Gestalt angenommen, die im Italienischen nicht existiert. Der „Salamander“ hat nichts mit Salami zu tun, das „Kaffeehaus“ nichts mit caffè im italienischen Sinn, und das deutsche „Espresso“ wird in Italien schlicht un caffè bestellt. Wer in Bologna un espresso verlangt, wird verstanden, klingt aber wie ein Tourist.

Wörter, die man nicht für italienisch hält

Manche Italianismen sind so alt oder so eingedeutscht, dass die Herkunft unsichtbar ist.

  • Bankett, Kavalier, Kavallerie und Soldat (über soldato, vom Sold).
  • Granate, Kanone, Alarm (von all’arme! — „zu den Waffen!“).
  • Kapuze, Karneval, Konfetti, Kaskade, Karriere, Fiasko, Malaria (mala aria, „schlechte Luft“).
  • Bandit, Mafia, Ghetto, Gazette, Lotterie, Kartell, Kompass, Regatta, Gondel, Golf (die Bucht), Lava, Motto.
  • Postille, Kabinett, Ballon, Kanapee — teils über Frankreich weitergereicht.

Auffällig oft ist Französisch die Zwischenstation. Ein Wort wanderte aus Italien nach Frankreich, wurde dort umgeformt und kam von dort ins Deutsche. Deshalb sieht die deutsche Form manchmal weniger italienisch aus als das Original.

Was das fürs Lernen bringt

Zwei Dinge. Erstens: Dein passiver italienischer Wortschatz ist am ersten Tag größer, als du denkst. Wer weiß, dass -zione im Deutschen meist -tion entspricht (stazione, nazione, informazione) und -tà unserem -tät (università, città, libertà), erschließt sich hunderte Wörter, ohne sie zu lernen.

Dasselbe gilt für -ista (artista, turista, giornalista), -ismo (turismo, realismo) und -ico (politico, storico, pratico). Diese vier Endungen decken einen erheblichen Teil des akademischen und journalistischen Wortschatzes ab. Wer sie beherrscht, liest italienische Zeitungen deutlich früher, als das Sprachniveau vermuten lässt.

Zweitens die Warnung: Genau bei diesen Wörtern liegen die falschen Freunde. brutto, netto, casino und firma gehören zu den vertrauten Formen — und deshalb schaut man nicht genauer hin.

Was bleibt

Italienische Wörter kamen in drei Wellen ins Deutsche: Handel im Mittelalter, Kunst und Musik in der Neuzeit, Küche und Urlaub in den letzten siebzig Jahren. Die dritte Welle läuft noch. Für Lernende ist das ein Startvorteil, den man ausnutzen sollte — mit dem Vorbehalt, dass gerade die vertrautesten Wörter im Italienischen oft etwas anderes bedeuten.

Häufige Fragen

Wie viele italienische Wörter gibt es im Deutschen?

Eine exakte Zahl gibt es nicht, weil die Grenze zwischen Lehnwort und Fremdwort fließend ist. Sicher ist: Es sind mehrere hundert, mit Schwerpunkten in Handel und Bankwesen, in Musik und Kunst sowie in der Küche. Die Küchenwelle läuft bis heute weiter.

Warum sind so viele Musikbegriffe italienisch?

Weil Italien vom 16. bis ins 18. Jahrhundert das Zentrum der europäischen Musikentwicklung war und die Oper von dort ausging. Die Vortragsbezeichnungen wurden mit den Noten mitgedruckt und blieben in der internationalen Notation stehen — piano, forte, allegro, adagio sind bis heute unübersetzt.

Heißt Latte macchiato in Italien dasselbe?

Das Wort existiert, das Getränk hat aber einen anderen Stellenwert: Es gilt eher als Kindergetränk und wird selten so bestellt. Wer in einer italienischen Bar <span lang="it">un latte</span> verlangt, bekommt ein Glas Milch. Wer Kaffee mit Milch will, sagt <span lang="it">un caffè macchiato</span> oder <span lang="it">un cappuccino</span>.