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Wo Italienisch gesprochen wird — außerhalb Italiens

Amtssprache in vier Staaten, Minderheitensprache in Istrien, Erbe der Auswanderung in Argentinien und Brasilien: wo Italienisch außerhalb Italiens gesprochen wird.

5 Minuten Lesezeit

Italienisch ist nicht nur die Sprache Italiens. Es ist Amtssprache in vier Staaten, Minderheitensprache in mehreren europäischen Ländern, Verkehrssprache großer Auswanderergemeinden und, aus historischen Gründen, die Arbeitssprache zweier ganz unterschiedlicher Institutionen: der katholischen Kirche und der Musik.

Die Staaten mit Italienisch als Amtssprache

Schweiz. Italienisch ist eine der vier Landessprachen und Amtssprache im Kanton Tessin sowie in vier südlichen Tälern Graubündens. Etwa acht Prozent der Schweizer Bevölkerung gibt Italienisch als Hauptsprache an. Das Schweizer Italienisch weicht in Details ab: eigene Behördenbegriffe (il municipio hat andere Zuständigkeiten), Lehnwörter aus dem Deutschen und Französischen, und Wörter, die es in Italien nicht gibt. Für Lernende ist die italienische Schweiz ein hervorragendes Ziel: gutes Italienisch, gut organisiert, aber teuer.

San Marino. Der kleine Staat auf italienischem Gebiet hat Italienisch als alleinige Amtssprache.

Vatikanstadt. Amtssprache ist Italienisch; Latein bleibt die offizielle Sprache des Heiligen Stuhls für Dokumente. Praktisch läuft die Verwaltung auf Italienisch.

Slowenien und Kroatien. Italienisch ist regional anerkannte Amtssprache in Teilen Istriens und an der slowenischen Küste — Koper, Izola, Piran, Rovinj, Pula. Zweisprachige Ortsschilder und Schulen sind dort Alltag.

Historische Sprachinseln

Malta. Italienisch war bis 1934 Amtssprache und ist bis heute weit verbreitet, unter anderem weil italienisches Fernsehen auf der Insel empfangen wird. Ein erheblicher Teil des maltesischen Wortschatzes ist sizilianisch-italienischer Herkunft.

Korsika. Bis zur französischen Übernahme im 18. Jahrhundert war Italienisch Schrift- und Verwaltungssprache. Das Korsische ist sprachlich eng mit dem Toskanischen verwandt.

Albanien. Kein offizieller Status, aber sehr verbreitete Fremdsprache — italienisches Fernsehen war jahrzehntelang das Fenster nach Westen, und viele Albaner sprechen Italienisch fließend.

Griechenland. Auf den Dodekanes-Inseln, die zwischen 1912 und 1947 italienisch verwaltet wurden, gibt es noch ältere Sprecher.

Libyen, Eritrea, Somalia. In den ehemaligen italienischen Kolonien ist Italienisch bei älteren Generationen und in einzelnen Fachbereichen präsent, insgesamt aber stark zurückgegangen.

Die Auswanderung

Zwischen etwa 1870 und 1970 verließen Millionen Menschen Italien. Ihre Nachkommen bilden heute große Gemeinden, in denen Italienisch unterschiedlich lebendig ist.

  • Argentinien hat den höchsten Anteil italienischstämmiger Bevölkerung außerhalb Italiens. Der argentinische Spanischakzent ist hörbar davon geprägt, und das lunfardo, der Slang von Buenos Aires, ist voller italienischer Wörter.
  • Brasilien, besonders die Südstaaten: Dort hat sich aus venezianischen Dialekten das talian entwickelt, das in einigen Gemeinden als Kulturgut anerkannt ist.
  • USA und Kanada: große italienischstämmige Bevölkerung, aber der Sprachgebrauch ist in der dritten Generation weitgehend verloren. Was blieb, sind Wörter und eine süditalienisch geprägte Aussprache in Küchenbegriffen.
  • Australien: Italienisch gehört zu den meistgesprochenen Sprachen nach Englisch und wird an Schulen unterrichtet.
  • Deutschland, Belgien, Frankreich, Schweiz: Die Arbeitsmigration ab den 1950ern hat große Gemeinden entstehen lassen. In Deutschland ist Italienisch eine der verbreitetsten Herkunftssprachen, und in vielen Städten gibt es italienische Kulturinstitute und Schulzweige.

Italienisch lernen im Ausland

Wo Italienisch außerhalb Italiens systematisch vermittelt wird, hängt weniger an Sprechergemeinden als an Institutionen. Die Italienischen Kulturinstitute unterhalten weltweit Standorte mit Kursen und Prüfungen; im deutschsprachigen Raum gibt es sie unter anderem in Berlin, Hamburg, Köln, München, Stuttgart, Frankfurt, Wien und Zürich. Die Società Dante Alighieri ist mit Komitees in vielen Städten vertreten und nimmt die PLIDA-Prüfungen ab.

Dazu kommt der Schulunterricht: In Australien, Argentinien, Kroatien, Slowenien, Malta und der Schweiz ist Italienisch reguläres Schulfach; in Deutschland und Österreich wird es an einzelnen Gymnasien als dritte Fremdsprache angeboten, häufiger an Volkshochschulen und Universitäten.

Für Lernende im deutschsprachigen Raum ist die italienische Gemeinde vor Ort der unterschätzte Vorteil. Italienische Vereine, Gemeinden, Lebensmittelgeschäfte und Restaurants gibt es in fast jeder größeren Stadt — Gelegenheiten zum Sprechen sind näher, als viele annehmen.

Italienisch als Fachsprache

Zwei Bereiche benutzen Italienisch weltweit, unabhängig von Sprechergemeinden.

Musik. Vortragsbezeichnungen und Formbegriffe sind international italienisch geblieben: allegro, adagio, forte, crescendo, sonata, concerto. Wer ein Instrument lernt, liest italienische Wörter, ohne die Sprache zu können.

Kirche. Italienisch ist die praktische Arbeitssprache der römischen Kurie und der päpstlichen Verwaltung. Wer in kirchlichen Zusammenhängen arbeitet, kommt daran nicht vorbei.

Dazu kommen Küche, Mode und Design, in denen italienische Fachbegriffe international verwendet werden — ohne dass das ein Sprachgebiet begründen würde.

Wo das Italienische unterwegs Spuren hinterließ

Selbst dort, wo heute niemand mehr Italienisch spricht, ist es oft als Schicht im Wortschatz geblieben. Im Maltesischen stammt ein großer Teil des Wortschatzes aus dem Sizilianischen und Italienischen, auf einer arabischen Grundstruktur. Im Griechischen gehen viele Seefahrts- und Handelswörter auf das Venezianische zurück, das jahrhundertelang die Verkehrssprache der östlichen Mittelmeerhäfen war. Dasselbe gilt für Türkisch und die Sprachen der Adriaküste.

Ein eigenes Kapitel ist die lingua franca des Mittelmeers — eine über Jahrhunderte gebrauchte Verkehrssprache mit überwiegend italienischem und provenzalischem Wortschatz, mit der Händler, Seeleute und Gefangene sich von Genua bis Algier verständigten. Sie ist ausgestorben, hat aber den Begriff hinterlassen, den wir heute für jede Verkehrssprache benutzen.

Wie viele Sprecher es sind

Verlässliche Gesamtzahlen sind schwierig, weil Muttersprachler, Zweitsprachler und Herkunftssprecher unterschiedlich gezählt werden. Als Muttersprache steht Italienisch in gängigen Übersichten bei rund 65 Millionen Menschen, überwiegend in Italien selbst. Rechnet man Zweitsprachler und Lernende hinzu, liegen die Angaben deutlich höher, mit großer Streuung je nach Quelle. Wichtiger als die Zahl ist die Struktur: Anders als Spanisch oder Portugiesisch hat Italienisch keine großen außereuropäischen Staaten, in denen es Landessprache wäre.

Für die Frage, ob sich Italienisch lernen lohnt, heißt das: Es ist keine Weltverkehrssprache und wird auch keine werden. Es ist die Sprache eines Landes, das man besucht, in dem man arbeitet oder dessen Kultur man aufnehmen will — und dafür ist es außerordentlich gut geeignet.

Was bleibt

Italienisch ist Amtssprache in Italien, der Schweiz, San Marino und der Vatikanstadt sowie regional in Slowenien und Kroatien. Historisch reicht es nach Malta, Korsika, Albanien und in die ehemaligen Kolonien; durch die Auswanderung nach Südamerika, Nordamerika und Australien. Und in Musik und Kirche ist es Fachsprache ohne Landesgrenze. Eine Weltsprache ist es nicht — eine sehr weit gereiste Sprache schon.

Häufige Fragen

In welchen Ländern ist Italienisch Amtssprache?

In Italien, der Schweiz, San Marino und der Vatikanstadt. Dazu kommt der regionale Amtssprachenstatus in Teilen Sloweniens und Kroatiens, etwa in Koper, Izola, Piran, Rovinj und Pula, wo zweisprachige Schilder und Schulen üblich sind.

Wird in Argentinien Italienisch gesprochen?

Als Alltagssprache kaum noch, aber der italienische Einfluss ist unüberhörbar. Argentinien hat den höchsten Anteil italienischstämmiger Bevölkerung außerhalb Italiens; der argentinische Spanischakzent ist davon geprägt, und der Slang von Buenos Aires ist voller italienischer Wörter.

Ist Italienisch eine Weltsprache?

Nein. Als Muttersprache steht es in gängigen Übersichten bei rund 65 Millionen Sprechern, ganz überwiegend in Italien und der Schweiz, und es gibt keine großen außereuropäischen Staaten mit Italienisch als Landessprache. Es ist die Sprache eines Landes und seiner Kultur, keine Verkehrssprache.