Zum Inhalt springen

Reisewortschatz Italienisch: die Wörter, die man wirklich braucht

Nach Situationen sortiert statt nach Wortarten: der Reisewortschatz für Bar, Restaurant, Markt, Verkehr und Notfall — mit den drei Sätzen, die jedes Gespräch retten.

6 Minuten Lesezeit

Die meisten Reisewortschatz-Listen sind falsch sortiert. Sie beginnen bei Begrüßungen und Zahlen und enden bei Wörtern, die man im Urlaub nie sagt. Dieser Beitrag dreht die Reihenfolge um: Er beginnt bei den Situationen, in denen man tatsächlich reden muss, und nennt für jede die Sätze, die dort funktionieren.

Die drei Sätze, die alles tragen

Wenn du nur drei Sätze mitnimmst, dann diese:

  • Scusi, parla tedesco o inglese? — Entschuldigung, sprechen Sie Deutsch oder Englisch? Die höfliche Version des Aufgebens.
  • Non ho capito, può ripetere più lentamente? — Ich habe nicht verstanden, können Sie langsamer wiederholen? Der wichtigste Satz überhaupt, weil er das Gespräch am Leben hält, statt es zu beenden.
  • Come si dice… in italiano? — Wie sagt man… auf Italienisch? Damit machst du aus jedem Gegenüber einen Lehrer.

Alles Weitere ist Komfort. Diese drei sind Infrastruktur.

Bar und Café

Die bar ist in Italien kein Nachtlokal, sondern das Café, in dem man morgens steht. Was du brauchst:

  • Un caffè, per favore. — Das ist ein Espresso. Wer „einen Kaffee“ bestellt, bekommt einen Espresso, alles andere muss man benennen.
  • un caffè macchiato (mit einem Schuss Milch), un cappuccino, un caffè lungo (mehr Wasser), un caffè corretto (mit Schuss Alkohol)
  • al banco — an der Theke; al tavolo — am Tisch. Der Unterschied ist der Preis.
  • Quanto le devo? — Was schulde ich Ihnen? Funktioniert überall, wo man zahlen will.

In manchen Bars zahlt man zuerst an der Kasse und legt den Bon, den scontrino, an der Theke vor. Wenn alle mit Zetteln in der Hand anstehen, weißt du Bescheid.

Restaurant

  • Un tavolo per due, per favore. — Ein Tisch für zwei.
  • Avete un tavolo libero? — Haben Sie einen Tisch frei?
  • Cosa mi consiglia? — Was empfehlen Sie mir? Der Satz, mit dem man in Italien am meisten gewinnt.
  • Sono vegetariano / vegetariana; Sono allergico / allergica a…; senza glutine — glutenfrei.
  • Il conto, per favore. — Die Rechnung, bitte. In Italien wird sie nicht ungefragt gebracht.
  • acqua naturale / frizzante — stilles / sprudelndes Wasser. Leitungswasser ist unüblich, man bestellt Flaschenwasser.

Auf der Rechnung steht fast immer coperto, die Gedeckpauschale pro Person, meist zwischen 1,50 und 3 Euro. Das ist kein Betrug und kein Trinkgeld, sondern eine übliche Position, die auf der Karte ausgewiesen sein muss.

Einkaufen und Markt

Am Marktstand musst du Mengen nennen, und genau das ist der Grund, dort einzukaufen:

  • un etto — hundert Gramm, die übliche Einheit an der Wursttheke; mezzo chilo — ein halbes Kilo
  • Vorrei… — ich hätte gern…; Basta così, grazie. — Das reicht so, danke.
  • Quanto costa? — Was kostet das?; Posso pagare con la carta? — Kann ich mit Karte zahlen?
  • Posso assaggiare? — Darf ich probieren? An Käse- und Wurstständen völlig normal.

Unterwegs

  • Dov’è la stazione? — Wo ist der Bahnhof? Mit dov’è plus Substantiv kommt man sehr weit.
  • Devo cambiare treno? — Muss ich umsteigen?; il binario — das Gleis; in ritardo — verspätet
  • Devo convalidare il biglietto? — Muss ich den Fahrschein entwerten? In vielen Zügen und Bussen ja, und die Kontrolle ist unerbittlich.
  • Scende alla prossima? — Steigen Sie an der nächsten aus? Die Standardfrage im vollen Bus.
  • a destra — rechts; a sinistra — links; sempre dritto — immer geradeaus

Wenn etwas schiefgeht

Der Teil, den die meisten Listen auslassen und der im Ernstfall zählt:

  • Ho bisogno di un medico. — Ich brauche einen Arzt.
  • il pronto soccorso — die Notaufnahme; la farmacia di turno — die Notdienstapotheke
  • Mi hanno rubato il portafoglio. — Man hat mir die Geldbörse gestohlen.
  • Ho perso… — Ich habe … verloren; Mi sono perso / persa — Ich habe mich verlaufen.
  • Può chiamare un’ambulanza? — Können Sie einen Krankenwagen rufen?

Die europäische Notrufnummer 112 gilt auch in Italien.

Zwei Höflichkeitsregeln, die mehr bringen als Vokabeln

Erstens: Sieze. Die Höflichkeitsform ist Lei, und sie ist in Italien gegenüber Fremden, Verkäufern und Kellnern der Normalfall. Wer duzt, weil es leichter ist, wirkt nicht locker, sondern unerzogen. Praktisch heißt das: Scusi statt Scusa, Può…? statt Puoi…?.

Zweitens: Grüße beim Betreten. In Italien grüßt man, wenn man einen kleinen Laden, ein Wartezimmer oder ein Abteil betritt, und verabschiedet sich beim Gehen. Buongiorno bis in den frühen Nachmittag, danach buonasera. Ciao ist geduzt und gehört nicht zu Fremden. Arrivederci beim Gehen, ArrivederLa besonders höflich.

Hotel und Unterkunft

Bei der Ankunft verlangt jede Unterkunft in Italien den Ausweis — das ist keine Schikane, sondern eine gesetzliche Meldepflicht, die auch für private Ferienwohnungen gilt. Der Satz dazu lautet Mi serve un documento, per favore. Weitere nützliche Begriffe: la prenotazione (die Reservierung), la chiave (der Schlüssel), la colazione è inclusa? (ist Frühstück inbegriffen?), la tassa di soggiorno (die Kurtaxe, die in vielen Städten pro Person und Nacht bar vor Ort zu zahlen ist und selten im Buchungspreis steckt).

Wer eine Ferienwohnung mietet, sollte zwei weitere Wörter kennen: le pulizie finali (die Endreinigung) und la caparra (die Kaution). Beides taucht regelmäßig als Zusatzposten auf.

Wie man diese Wörter lernt, damit sie da sind

Der typische Fehler ist, eine Liste vor der Reise durchzulesen. Vor der Bar steht dann nichts mehr zur Verfügung, weil Lesen Wiedererkennen trainiert und nicht Abruf. Was funktioniert, sind zwei Dinge: die Sätze laut sprechen, mehrfach, bis sie ohne Nachdenken kommen, und sie über mehrere Wochen verteilt wiederholen statt am Abend vor dem Flug.

Ein zweiter praktischer Kniff: Lern ganze Sätze, keine Einzelwörter. Vorrei un caffè, per favore ist im Ernstfall verfügbar, die Vokabel caffè allein hilft dir nicht über den Satzbau. Formelhafte Wendungen sind für Reisende deutlich wertvoller als Grammatikwissen.

Was du weglassen kannst

Nicht in den Reisewortschatz gehören: die Zahlen über hundert (du liest Preise, du sagst sie nicht), die Farben, die Monatsnamen, die Familienmitglieder und der Körperwortschatz jenseits von „Kopf“, „Bauch“ und „Hals“. Das sind Lehrbuchkapitel, keine Urlaubssituationen. Wer stattdessen die Höflichkeitsform, das Bestellen, die Mengenangaben und die Notfallsätze sicher kann, kommt durch jede Reise.

Was bleibt

Sortier deinen Reisewortschatz nach Situationen, nicht nach Wortarten. Lern die drei Rettungssätze zuerst, dann Bar, Restaurant, Markt, Verkehr, Notfall. Sieze konsequent und grüße beim Betreten. Und sprich, auch schlecht: In Italien wird ein holpriger Versuch fast immer freundlicher aufgenommen als ein sauberes englisches „Do you speak English?“.

Häufige Fragen

Welche italienischen Sätze braucht man im Urlaub unbedingt?

Drei tragen alles: „Non ho capito, può ripetere più lentamente?“, „Come si dice… in italiano?“ und „Quanto le devo?“. Dazu die Höflichkeitsform Lei und der Gruß beim Betreten eines Ladens. Alles andere ist Komfort.

Was bedeutet coperto auf der Rechnung?

Die Gedeckpauschale pro Person, meist 1,50 bis 3 Euro. Sie deckt Brot, Besteck und Service ab, ist keine Abzocke und muss auf der Speisekarte ausgewiesen sein. Ein zusätzliches Trinkgeld ist in Italien üblich, aber klein — man rundet auf.

Duzt oder siezt man in Italien?

Gegenüber Fremden, Verkäufern und Kellnern siezt man mit Lei. Duzen wirkt nicht locker, sondern unerzogen. Praktisch heißt das „Scusi“ statt „Scusa“ und „Può…?“ statt „Puoi…?“; ciao gehört nur zu Personen, die man duzt.